29 März 2007

¡Nada más!

Oder auf gut deutsch: Das war’s! Leider! Viel zu schnell ist meine Zeit in Madrid auch schon wieder vorbei, und es geht zurück nach Deutschland, um mein Studium zu beenden. Das Ende nahte auf einmal in Riesenschritten, nachdem man sich erst immer noch sagt: „Ach es sind ja noch drei Monate“, „noch zwei“, „noch einer“... Gemerkt hat man’s eigentlich nur daran, dass sich in letzter Zeit die Abschiedspartys häuften und einige bekannte Gesichter verschwanden. Und wie so oft fragt man sich: Warum gerade jetzt? Da hat man sich schön eingelebt, die Arbeit macht Spaß, man kennt ’nen Haufen netter Leute (sowohl auf Arbeit als auch privat) – und dann soll schon wieder Schluss sein... Aber auch wenn man’s nicht wahr haben will, das war ja eigentlich vorher klar. Auch wenn das Praktikum in Madrid gerade hinsichtlich meiner kaum vorhandenen Sprachkenntnisse ein ganz schöner Sprung ins kalte Wasser war, war es einfach nur toll und im Nachhinein eine goldrichtige Entscheidung. Kann ich nur jedem empfehlen, wenigstens einmal während der Studienzeit ins Ausland zu gehen. So unkompliziert wird’s nie wieder möglich sein...

Damit schließt dann auch mein Blog. Abschließend betrachtet war es auf jeden Fall eine interessante Erfahrung, und ich hab mich auch bemüht, die ganze Sache bis zu Schluss durchzuziehen (auch wenn der aufmerksame Leser wahrscheinlich bemerkt hat, dass die Häufigkeit von Postings immer rarer wurden). Ich glaub auf Dauer könnt ich so was dann doch nicht machen, einmal weil ich die wirklich privaten Infos nicht hier im Netz ausbreiten will, und dann fehlt mir auch ein bisschen der Antrieb. Aber in ein paar Jahren freu ich mich garantiert, mal wieder durch ein paar Erlebnisberichte und Fotos der „guten alten“ Zeit zu stöbern :-).

In diesem Sinne,

¡Hasta luego!

22 März 2007

"Las Fallas" in Valencia

Der letzte grosse Trip meines Spanien-Aufenthalts sollte mich nach Valencia führen. Darauf hatte ich mich schon seit langer Zeit gefreut, und zwar aus 2 Gründen. Zum einen, weil an Stelle von Madrid eigentlich Valencia meine „Heimat“ für das 7-monatige Praktikum werden sollte (ich hatte mich bewusst zwischen diesen beiden Städten für Valencia entschieden, was dann durch unglückliche Umstände 3 Wochen vor Praktikumsbeginn durch meine Firma geändert wurde), und ich nun also schon sehr gespannt auf „mein“ Valencia war. Zum anderen weil zu der von uns ausgewählten Zeit (Mitte März) wie in jedem Jahr die „Fallas“ stattfanden, die mit als eine der größten und exzessivsten Partys Spaniens gelten (in diesem Jahr sind angeblich 1 Million Touristen gezählt worden!!!). Aus diesem Grunde war es auch äusserst schwierig, an ein Zimmer zu kommen. Ich hatte schon letzten November mal nach Hostels geschaut, und trotz der Tatsache, dass die meisten Hostels zu den Fallas überhöhte Preise haben und die Bedingung stellen, dass man sich für 5 Tage am Stück einbucht, waren die meisten schon ausgebucht. Aber durch viel Glück bekam ich mit, dass ein schon als belegt gemeldetes Hostel doch wieder 3 Plätze zur Verfügung hatte (und genau soviel brauchten wir auch für Jessi, Arnaud und mich), und da hab ich dann (trotz für ein Hostel ganz schön ordentlichem Preis von 30 € pro Nacht) gleich zugeschlagen. Und es hat sich so was von gelohnt, sowohl das Hostel als auch Valencia und die Fallas waren einfach nur genial.

Ich war sofort von Valencia begeistert. Es war bei weitem nicht so riesig wie Madrid (3,2 Mio. Einwohner ohne die Vororte), hat aber mit ca. 850.000 Einwohner trotzdem eine stattliche (und in meinen Augen perfekte) Größe für eine Stadt, eben weil es nicht ganz so anonym und hektisch ist wie in einer Metropole, aber trotzdem groß genug sodass es einem nie langweilig wird. Dann kommt als nächstes natürlich der in Madrid so schmerzlich vermisste Strand - zu dem man vom Zentrum aus zur Not laufen kann - sowie das allgemein sonnigere und vom Meer geprägte Wetter hinzu, welches ich schon von Australien her kannte und was für mich zum Wohlfühlen einfach dazu gehört. Man glaubt gar nicht, was dieses mediterrane Klima für eine Auswirkung auf die Gemütslage von Menschen hat, wenn man es selbst noch nicht erlebt hat. Die Leute sind einfach viel relaxter und mit dem Leben irgendwie zufriedener, man kann lange nach dieser aus den grauen Großstädten bekannten Hektik suchen. Was mir auch gleich ins Auge stach waren die vielfach vorhandenen Radwege – und Radfahren hatte ich nun wirklich das halbe Jahr in Madrid schmerzlich vermisst. Hier in Valencia sah man so viel Radfahrer, in der ständig verstopften Innenstadt und ohne Radwege ausgestatteten Hauptstadt Spaniens ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man sein Leben nicht aufs Spiel setzen wollte ;-). Und schließlich das gesamte Stadtbild war sowohl von der Architektonik als auch von den Farben her irgendwie schöner anzusehen; es gibt soviel grün wohin das Auge auch blickt (ich denke da vor allem an das trockengelegte Flussbett des Flusses Turia, der früher genau durch die Stadt floss, nach einer Überschwemmung jedoch „umgelegt“ und das ehemalige Flussbett zu einem riesigen Park umfunktioniert wurde.

Doch genug der Schwärmerei, zurück zum Reisebericht. Arnaud und ich reisten schon am Freitag vormittag an (früh um 8 ging’s los, ich hätte fast noch den Bus verpasst, weil die bekna***te Metro so lange brauchte, aber 3 Minuten vor Abfahrt kam ich dann doch noch angehechelt *g*). Mittags um 12 kamen wir dann bei herrlichstem Sonnenschein in Valencia an (einen Tag später kam ja dann auch noch Jessi nach). Danach ging’s per Metro zu unserem Hostel, was erfreulicherweise gar nicht weit weg vom Zentrum war (ich glaub es waren 5 Metro-Stationen). Nach etwas Sucherei und Befragung von Einheimischen fanden wir die Herberge dann auch. Es war kein Hostel im herkömmlichen Sinne, sondern vielmehr das mehrstöckige Haus eines Mannes, der einzelne Zimmer untervermietete. Insgesamt gab’s 5 Zimmer – z.T. Einzel-, z.T. Doppelzimmer. Arnaud’s und mein Zimmer war jetzt nix weiter Besonderes, es gab halt 2 Betten und ’nen Schrank – aber mehr brauchten wir ja auch nicht zum Schlafen, wir wollten ja die meiste Zeit unterwegs sein. Ein kleines Highlight gab’s aber doch – so hatten wir eine begehbare Terrasse (im 2. Stock!!!), von wo aus wir auf den Zentrumsrand von Valencia blicken konnten. Des Weiteren konnten alle „Bewohner“ das Wohnzimmer (inkl. Computer mit Internet-Zugang) und die relativ große Küche nutzen, was uns hinsichtlich der Abendbrotgestaltung unerhoffte Möglichkeiten eröffnete. So zauberte Arnaud täglich die herrlichsten Pasta-Saucen, nachdem ich ihm als treuer Gehilfe die Zutaten zurechtgeschnippelt hatte ;-). Insgesamt fühlten wir uns wirklich pudelwohl dort. Ziemlich bald lernten wir außerdem Jan - einen weiteren Deutschen – der ein Jahr in Valencia studiert, sowie seine Schwester - die nur für die Fallas dort zu Besuch war - kennen, und unternahmen einiges zusammen. So ging’s einmal an den Strand zum obligatorischen Paella-Essen (denn Valencia ist ja die Geburtsstätte der Paella; und was war die in einer großen Pfanne servierte Paella lecker – meine Arbeitskollegen, die mir immer davon abgeraten hatten, eine Paella in Madrid zu essen, hatten natürlich so was von Recht :-)) . Danach spazierten wir noch am Hafen entlang und besichtigten das soeben erst fertig gestellte Gelände für den America’s Cup, der ja in diesem Jahr erstmalig in Europa (und da die beim letzten Cup erfolgreichen Schweizer keinen eigenen Hafen haben, eben in Valencia) - sehr beeindruckend! Einen anderen Tag haben wir uns noch die "Stadt der Künste und Wissenschaften" mit ihren 4 architektonischen Meisterwerke (der „Palau de les Arts Reina Sofía“ - eine riesige Oper und Musikpalast; das „L'Oceanogràfic“ - das größte Aquarium Europas; das „Museo de las Ciencias Príncipe Felipe“ – eingigantisches Naturkundemuseum; sowie das „L'Hemisfèric“ – ein riesiges 3D-Kino), die räumlich nicht weit voneinander entfernt stehen, angeschaut. Alles wahnsinnig schön und wie schon erwähnt architektonisch sehr extravagant – ein Must-See in Valencia (irgendwie habe ich mich an Sydney mit seiner Oper erinnert gefühlt) Den Botanischen Garten „L'Umbracle“ haben wir leider nicht mehr geschafft..

So jetzt erstmal das „Konzept“ in ein paar Sätzen (für genauere Infos bitte hier nachlesen), was hinter den ganzen Fallas steht. Jedes Jahr bauen dort die verschiedenen Stadtteile riesige (z.T. mehr als 15 m hohe und mehrere Tonnen wiegende) Gebilde (nicht nur einzelne Figuren, sondern z.T. richtige kleine „Szenen“) aus Holz und Pappmaché, die natürlich kunstvoll bemalt sind. Der Bau dieser Skulpturen dauert das ganze Jahr, und am Ende kostet jede einzelne ’ne richtige Stange Geld (z.T. 100.000 € und mehr). Aus den vielen „Fallas“ (so der Name der Figuren) durch den Bürgermeister die schönste ausgewählt und prämiert. In der letzten Nacht der Fallas, die traditionell eine Woche dauern und in der Nacht vom 19. bis zum 20. März endet, werden alle außer der schönsten Figuren verbrannt, und zwar inmitten der Häuser in den Gassen und Straßen Valencias. Die Feuerwehr steht, soweit halt Männer verfügbar sind, Pistole und Schlauch bei Fuß, aber nicht selten kommt es zu kleineren oder bisweilen auch größeren Feuerunfällen, wenn Flammen auf umliegende Gebäude übergreifen. Auf jeden Fall ist’s ein Heidenspektakel. Doch das ist nur der Aufhänger für eine ganze Woche lang Party Tag und Nacht, in der die echten Valencianos nur 3 Stunden täglich schlafen - ansonsten wird durchgefeiert. Na und haufenweise Umzüge von den ganzen Stadtteilen mit Menschen in ihren typischen Trachten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Außerdem gibt’s jeden Mittag um 2 die sogenannten Mascletas - ein rund 5-minütiges ohrenbetäubendes Abfackeln von Knallkörpern in einem vielleicht 50 mal 30 Meter abgegernzten "Käfig" auf dem großen Rathausplatz - sowie in den letzten 4 Nächten Feuerwerke (über dem trockengelegten Flussbett), die jede Nacht länger und atemberaubender wurden. Sowohl bei den Feuerwerken als auch bei den Mascletas sicherte rechtzeitiges Kommen gute Plätze - spätestens 1 Stunde (besser 1,5 Stunden) vorher sollte man da sein, um nicht die Sicht von einem Haus versperrt zu haben bzw. in einer Gasse vor dem Rathausplatz hängenzubleiben. Genau so erging es uns mit Arnaud, als wir am Sonntag (an dem die vorletzte Mascleta dieses Jahres) eine dreiviertel Stunde vorher erst im Zentrum bei natürlich brütender Hitze ankamen. Was da an Menschen unterwegs war - unglaublich! Wir versuchten uns natürlich noch durch eine kleine Strasse irgendwie bis zum Rathausplatz vorzuschieben, aber irgendwann ging's einfach nicht mehr weiter und wir steckten fest und erlebten von dort das ganze Spektakel (für den Rückweg zur ca. 150 m entfernten Metrostation brauchten wir mehr als eine halbe Stunde - es ging NICHTS mehr!). Und selbst dort empfahl es sich noch die Ohren zuzuhalten - es war so laut dass man meinen konnte, dass da Bomben hochgingen; bis in unsere Gasse hörte man die wackelnden Fensterscheiben der umliegenden Gebäude des Rathausplatzes klirren. Irgendwie haben die Valencianos in dieser Hinsicht sowieso eine Macke (im positiven Sinne) – Jan meinte es gäbe nicht einen Tag im Jahr an dem nicht mindestens ein Feuerwerk in Valencia steigt (und sei es auch nur ein kleineres privates) – für die Menschen dort ist Pyrotechnik mit das Größte; und je größer, bunter und lauter, desto besser :-).

Und so spielte sich unser Urlaub dort im Großen und Ganzen wie folgt ab: Bis mittags schlafen, dann entweder ab zum Strand Seele baumeln lassen oder Valencia mit seinen Sehenswürdigkeiten und den überall aufgestellten Fallas erkunden, bevor es zum Abendbrot (hmm, Pasta *g*) kurz nach Hause ging um dann wieder in die Stadt zum Feiern ging, und zwar erstmal draußen. Das war überhaupt kein Problem sondern superangenehm, da die Temperaturen schon frühsommerlich waren (tagsüber bin ich trotz leichten Windes nämlich schon kurz rumgelaufen :-)), und drinnen sowieso alles einfach überlaufen war. Aber es gab entlang des Flusses so viele Zelte und Bühnen, und überall war was los, man wusste gar nicht wo man zuerst hin sollte. Gegen 1 stieg dann meist das Feuerwerk, und danach ging’s dann eigentlich erst richtig los, meist weiter draußen zusammen mit zehntausenden anderen Partywütigen, und erst am frühen Morgen wurde langsam ans Heimgehen gedacht.

Nach 4 langen Tagen (und Nächten :-)) ging es dann Dienstagvormittag glücklich und zufrieden wieder zurück nach Madrid. Ich war wirklich total begeistert von Valencia, und hab’s im Nachhinein noch einmal bereut, dass es bei dem Praktikum eben nicht mit meiner Wunschstadt Valencia, sondern „nur“ mit Madrid geklappt hat - von den ganzen coolen Leuten, die ich in Madrid kennengelernt hatte, natürlich mal abgesehen; aber die Stadt kann für meine Ansprüche leider nicht mit Valencia mithalten :-/.

08 März 2007

Best Of Tapas

So, hier kommt noch mal ein kleiner Service für all diejenigen, die wie ich nicht genug von Tapas kriegen können. Ich bin ja nun schon seit einiger Zeit hier (und auch nicht mehr lange), und da dachte ich sei es mal an der Zeit, hier abschließend noch mal die ganzen Tapas-Bars Revue passieren zu lassen und am Schluss meine persönliche Rangliste zu präsentieren. Nur damit klar ist wovon ich spreche: In die „Wertung“ kommen nur die Bars, wo’s die Tapas gratis zum Essen dazu gibt.

Immer eine Empfehlung wert, weil das Bier schön kalt ist und gut schmeckt, ist das "Museo del Jamon". Ganz einfach zu erkennen an den vielen Schinken die von der Decke hängen. Davon gibt’s zurzeit glaub ich sechs Stück in Madrid – z.B. eins in der Gran Vía und zwei rund um Sol. Außerdem ist alles supergünstig – so kostet z.B. ein Caña (0,2 l Bier) 75 Cent (aber nicht überall, die "Museo del Jamon" bei Sol sind etwas teurer). Meist gibt’s noch eine Kleinigkeit gratis dazu, wie z.B. ein paar Schinkenwürfel oder Oliven. Auch die Bocadillos (warm oder kalt) sind sehr zu empfehlen – ein Bocadillo de Jamon gibt’s schon für 1,30 €.

Wenn ihr richtig Hunger habt, solltet ihr mal dem „Los amigos“ einen Besuch abstatten. Diese Tapas-Bar liegt zwar etwas ab vom Schuss (Calle de Ezequiel Solana 114, Metro: „Quintana“ oder „Ascao“), aber dafür gibt’s dort Essen satt. Ca. 10- 15 verschiedene, meist frittierte Tapas, werden aufgetischt. Und das Coolste: Man bestellt ein Getränk (Bier, Sangria, Tinto de verano, ... ; ein Tubo (ca. 0,3 l) kostet 1,90, eine Jarra (0,5 l) 3,40), und dann werden ständig Tapas nachgestellt. Ihr könnt gar nicht so schnell essen wie die Tapas immer wieder neu kommen – und das praktisch unbegrenzt... Übrigens. Nur eine Bar weiter ist das „Los enemigos“, wo’s sehr leckere Pommes mit verschiedenen Soßen gibt (leider nicht unbegrenzt *g*).

Ebenfalls reichhaltig fallen die mit den Getränken gereichten Tapas im in diesen Blog schon oft gelobten „El Tigre“ (Calle Infantas 30; Metro: „Gran Vía“) aus. Zu 2 Caña oder Sidra für je 1,50 € gibt’s einen Teller mit 6 Tapas mit dazu, je öfter man bestellt, desto besser werden sie. Von der Einrichtung und auch der Atmosphäre (Erasmus-Studenten wohin das Auge reicht) her ist das „El Tigre“ für mich die mit Abstand beste der hier vorgestellten Bars (leider auch immer hoffnungslos überfüllt, wer schnell Platzangst kriegt sollte das „El Tigre“ lieber meiden). Und da auch noch das Essen super schmeckt, hat es sich den ersten Platz in meiner persönlichen Hitparade redlich verdient *g*.

Was auch noch sehr geil (und bei den Madrilenen wohl mit am beliebtesten) ist, ist das Casa Pepe (Calle de la Celanova 19, Metro „Barrio del Pilar“ oder „Valdezarza“). Dort bestellt man wieder seine 2 Bier, und dann gibt’s ’nen Teller Chicken Wings (ca. 15 Stück) dazu. Sehr salzig, aber wer Broiler mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Wen Pepe gut leiden kann ;-) bzw. wenn ihr schon einige Sachen bestellt habt, bekommt man auch mal ein paar (schwabblige) Schweineohren hingestellt (uhhhhh, überhaupt nicht mein Ding; aber einfach Bescheid sagen und das nächste mal gibt’s wieder die leckeren krossen Chicken Wings) oder die weltberühmten ;-) Patatas Bravas mit 2 Soßen. Casa Pepe ist auch zu empfehlen wenn man nebenbei Fußball gucken will, jedes erdenkliche Spiel (mit spanischer Beteiligung natürlich) wird dort auf 2 Großbildschirmen übertragen.

Dann ist da noch die angeblich beste Tapas-Bar (zumindest für die Madrilenen) – „La esquina de Eusebio“ (C/ Caramuel Nº 16, Metro: „Puerta del Angel“). Dort gibt’s sehr billig Bier (1,20 €), und dazu endlos Tapas (es werden ständig neue Tabletts rausgereicht wo sich jeder bedienen kann). Diese bestehen hier aber eigentlich „nur“ aus belegten Broten, mit Schinken, verschieden Sorten Käse, Fischsachen und auch vegetarische Beläge. Wer’s mag bitte schön – aber ich bevorzuge eher heiße Sachen. Na gut – es gibt dort noch einen berüchtigten Fleischspieß – ein wahrer Gaumenschmaus. Frisch aus dem Ofen, sauheiß und superlecker. Den können sich gut und gern 3 Personen teilen. Allerdings kostet der auch 13 €.

Und schließlich noch etwas, wo man mal so im Vorbeigehen reingehen kann: Das "Casa Labra“, direkt bei Sol (Tetuán 12, Metro “Sol”). Dort sollte eigentlich jeder Madrid-Tourist mal gewesen sein, weil es die älteste Tapas-Bar von Madrid und seit 1860 täglich überlaufen ist. Das Caña für 1 € ist lecker, und berühmten die hausgemachten Kroketten – entweder aus Kartoffeln (für 60 Cent pro Stück) oder aus Fisch (für 1 € das Stück) ebenso.

Hier also meine persönliche Rangliste:

  1. El Tigre
  2. Los Amigos
  3. Casa Pepe
  4. Museo del Jamon
  5. Casa Labra
  6. Los Enemigos
  7. La Esquina de Eusebio

28 Februar 2007

Besuch aus der Heimat

Vom 21. bis 26. Februar bekam ich Besuch aus Deutschland - meine beiden Kumpels Martin und Oli(ver) hatten sich angekündigt. Mit dem Datum hatten wir insofern Pech, als dass die beiden das Real - Bayern-Spiel haarscharf, d.h. um nur 1 Tag verfehlten, was besonders für Martin als weltgrößter Bayern-Fan ;-) tragisch war, aber auch Oli (der eigentlich zu den Grün-Weißen aus Bremen hält,) hätte sich diesen Kracher sicher nicht entgehen lassen. Das hieß aber noch lange nicht, dass wir auf ein geiles Fußballspiel verzichten mussten - wir haben dann dafür einfach das Lokal-Derby zwischen Atlético und Real Madrid "mitgenommen". Eine von vorne bis hinten verrückte Geschichte - doch dazu später noch etwas mehr.
Um schon mal das Fazit vorweg zu nehmen: Es waren 5 verdammt geile Tage, an denen der Schlaf naturgemäß etwas zu kurz kam. Das Problem war ja auch, dass ich zumindest an den ersten beiden Tagen - ein Donners- und Freitag - tagsüber bis 18.30 Uhr noch arbeiten ging. Da mussten sich die Zwei gezwungenermaßen ein bisschen selbst beschäftigen, aber ein paar Attraktionen hat ja selbst Madrid zu bieten (siehe den Artikel über den Besuch meiner Eltern), sodass nicht groß Langeweile aufkam (nur die Füße haben immer schön gebrannt *g*). Und in meiner Mittagspause, die ja mit 1 1/2 Stunden auch immer nicht gerade knapp ausfällt ;-), haben wir uns dann immer getroffen. Einmal direkt am Santiago Bernabeu Stadion (wo ich ja arbeite), um dann im "Museo del Jamón" schön Mittag zu essen; und am Freitag bin ich dann kurz zu mir nach Haus gefahren, um die beiden aus ihrem Hostel, wo sie die ersten 2 Tage wohnten, in mein Zimmer meiner WG umzuquartieren (aber *psst*, nich weitersagen ;-) - mein Vermieter sieht das glaub ich nicht so gern). Und abends ging´s dann meist von Bar zu Bar - natürlich mussten die 2 das "El Tigre" mit seinen leckeren Tapas kennenlernen, und auch das "DeCine" mit seinem "Trink soviel Bier wie du willst für 1 €"-Angebot sowie die "Hora Bruja" Bar mit Cocktails für 2,50 € durften natürlich nicht fehlen. Oli hat sich mal die Mühe gemacht, stichpunktartig aufzuschreiben, was genau an den Tagen so abging - ich klau mir das jetzt mal hier mal frecherweise (und mach mir auch nich die Mühe, das in ein ordentliches Deutsch zu bringen ;-)):

Mittwoch:

  • Landung am Aeropuerto von Madrid
  • check in mucho madrid
  • Bier fassen
  • Treff in der Gran Via WG
  • Tapas fressen und kleine Bier trinken im el tigre
  • weiter trinken im dubliners

Donnerstag:

  • Rundgang Estadio santiago bernabèu inklusive Museum mit Scheiße viel
    Pokalen
    Mittagessen mit Matze im museo de jamón
  • da haben wir noch den Torre Europa gesehen (da hab ich n Foto von gemacht,
    gegenüber vom Bernabèu) und die Torres Kio am Plaza de Castilla (die beiden
    schrägen Dinger aus Japan)
  • Rundgang: Plaza de Espana (die Statue zeigt übrigens Don Quixote), Senat,
    Palacio Real und Opus dei Kirche, Plaza Mayor, Puerta del Sol und zurück ins
    mucho madrid
  • Abend wieder in die Gran Via WG, danach 1 € Biersaufen im de cine
    weiter
    trinken in der Erasmus Bar (bin mir nicht sicher wie die hieß, ich glaub
    Hexenstunde, also bruja hora)

Freitag :

  • bis Mittag am Puerta del Angel abgegammelt, dann was gegessen
  • dann zu Matze, von da aus zum Einkaufscenter im ehemaligen Bahnhof Principe
    Pio und Füße ausgeruht
  • Stierkampfarena (Plaza de Toros Monumental de las Ventas )
  • Aussichtsturm (Faro de Moncloa) da war gleich noch so ein Bogen mit einer
    Quadriga drauf: Arco dela Victoria
  • Danach vor Matzes Arbeit getroffen, einen getrunken und dann in Legazpi
    ausgestiegen und irgendwo da, das geilste Fleisch aller Zeiten gefressen
  • Von da aus zu Sol und frag mich nicht wo Aurelio und die anderen Nasen mit
    mir hin sind, wie der Schuppen hieß in dem wir waren weiß ich auch
    nicht

Samstag :

  • Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia
  • Danach kurz durch Atocha (der Bahnhof mit dem Gewächshaus drin und der 2003
    angeschlagen war)
  • Danach zum Estadio Vincent Calderón, unterwegs am Puerta de Toledo vorbei
    (da war auch so ein Triumphbogen)
  • Dann irgendwie da rein und nach Matzes Stunt ein richtig geiles Fußballspiel
    gesehen
  • Bei Matze vorm Fernseher den Abend ausklingen lassen

Sonntag :

  • Wunden lecken (jedenfalls Matze)
  • Trödelmarkt, kein Plan wo der war
  • Tapas für lau im Los Amigo
  • Parque del Retiro, mit dem See und dem Denkmal für die 192 Anschlag Toten
  • Museo del Prado, aber nicht rein weil haufen Betrieb
  • Plaza de Cibeles (mit Real Feier Brunnen: Fuente de la Cibeles)
  • von da aus aus noch Torres de Colón (Columbustürme) gesehen
  • dann ins Dubliners zum Keks einweichen, aber richtig
  • ab zu Matze Klamotten holen, dann zum Flughafen und weg


Zu 3 Sachen möchte ich noch etwas erläutern. Da wäre zum einen das Essen mit meinen Arbeitskollegen am Freitag abend, welches schon seit längerem geplant war und bei dem etwas Sprit-Geld von einem Trip kurz vor Weihnachten zum jährlichen Firmentreffen in Dénia auf den Putz gehauen werden sollten. Bei den Spaniern ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass bei so einem Restaurant-Besuch mal locker 50 € pro Person draufgehen - gut Essen gehen lässt man sich schon gern mal etwas kosten. Dummerweise (oder im Nachhinein glücklicherweise :-)) war das halt genau der Freitag, an dem Schröti und Oli da waren. Erst hatten wir nämlich überlegt, was die Zwei in der Zwischenzeit machen könnten, doch nach ein paar Wochenend-Bierchen (die wir uns ziemlich regelmäßig am Freitag genehmigen) mit meinen Arbeitskollegen hatten wir sie schon so weit, dass Martin und Oli sich für jeweils 15 € mit "einkaufen" konnten ;-). Letztendlich war es sogar komplett umsonst, da wir trotz Schlemmen und Trinken ohne Ende nicht mehr als das vorhandene Spritgeld ausgaben. Und was war das für ein Essen - mit allem Drum und Dran und vor allem typisch Spanisch. Erst mehrere Vorspeisen wie Schinken, Blutwurst und Käse, die jeweils auf einem Teller und natürlich mit frischem Baguette gereicht wurden. Und dann das Hauptgericht - ein Wahnsinns-Stier-Braten, außsen kross, innen noch blutig-rosa, leicht süßlich und so zart - so ein gutes Stück Fleisch hab ich mein Leben noch nicht gegessen. Danach ging's natürlich noch weiter mit allen möglichen Desserts, aber ich konnte schon kaum noch - war kurz vorm Platzen. Und dazu die ganze Zeit Bier, Wein und andere alkoholische Getränke - wir waren alle schon ganz gut dabei, als es danach noch per Metro Richtung Sol, in eine Discobar ging, wo ich noch einen sehr schönen Abend hatte ;-)...

Das Highlight des nächsten Tages war zweifelsohne das Fußball-Match zwischen Atlético und Real Madrid. Doch da muss ich erst noch etwas weiter ausholen, schließslich war es als Nicht-Mitglied oder dem entsprechenden Kleingeld so gut wie unmöglich, bei diesem Spiel (was hier in der Bedeutungs-Skala noch vor dem Real-Bayern-Spiel rangierte), live im Stadion dabei zu sein. Im regulären Vorverkauf wurden Tickets jedenfalls nur an Atlético-Mitglieder und -Dauerkartenbesitzer abgegeben. Ich hatte mich deshalb schon parallel zum Bayern-Spiel auch um Zweite-Hand-Tickets für dieses Match um Tickets bemüht - doch die Preise bewegten sich auch hier in astronomischen Regionen. So beschlossen wir schließlich, unsert Glück direkt vor Anpfiff rund ums Stadion zu versuchen - und falls wir keine Karten mehr ergattern sollten, das Spiel zu Hause vorm Fernseher zu verfolgen. Wir haben dann ab um 9 unsere Runden ums "Estadio Vincente Calderón" gedreht und uns von verschiedenen Leuten "anquatschen lassen", und nach anfänglich 150 € pro Karte fanden wir schließlich noch kurz vor Anpfiff 2 Kunden, die uns ihre 3 Abonos für 220 € vertickten. Sie meinten wir sollten uns einfach mit in die erste Reihe stellen. Das Ganze erschien uns mehr oder (wohl eher) weniger legal - zumal es beim Einscannen der Tickets erst mehrmals nicht funktionierte und die beiden Typen mit dem Einlasser diskutierten (wir immer "auf dem Sprung", falls sie versuchen sollten, mit dem Geld abzuhauen) – egal schließlich waren wir dann drin. Drinnen war alles pickepackefull - alle Sitzplätze waren besetzt, und zusätzlich standen noch ganz viele Leute weit vorne an den Tribünen; wir stellten uns gleich mit dazu. So eine Wahnsinns- (und das ist wirklich wörtlich zu nehmen) Athmosphäre hab ich noch nie erlebt. Die Leute gingen ab wie die Tiere, Real wurde bei jedem Ballkontakt ausgebuht und bei jeder (vermeintlichen Fehlentscheidung) gegen Atlético sprang das gesamte Stadion (vom 3 jährigen Knirps bis zur 80jährigen Oma) auf, brüllte, zeigte den Stinkefinger usw… :-). Und dann das Krasseste: Als in der 12. Minute tatsächlich das 1:0 für Atlético fiel, tanzten, hüpften und umarmten sich erst alle wie wild. Doch auf einmal kamen hinter uns so ca. 15 – 20 Menschen „angerollt", die das Gleichgewicht verloren hatten, und drückten den Rest (inklusive mir) gegen ein Sicherheitsgitter (wir standen am unteren Ende der Tribüne, ca. 2 m über dem Boden). Das Gitter hielt dem Druck nicht stand, und wie in einem Alptraum tat sich auf einmal ein Abgrund vor mir auf und ich klatschte (mit anderen) ungebremst auf den Boden (natürlich hatte ich keine Reaktionszeit mehr, und so fiel ich leider direkt aufs Gesicht). Dann waren meine Beine noch in dem Gitter verheddert, und ich kam nich hoch – aber ein Ordner half mir dann wieder auf die Beine. Ich war natürlich völlig unter Schock, blutete im Gesicht und an den Armen und wurde ganz blass. Aber nach ner Weile gings dann wieder – brauchte ca. 10 Minuten (und ein Wasser, das mir Oli brachte), und dann konnten wir den Rest des Spieles an anderer Stelle genießen. Aber die Knie haben uns allen Dreien danach ganz schön geschlottert – das sowas heutzutage in Europa noch möglich ist, hätten wir nicht gedacht. Die Sicherheit ist auf keinen Fall gewährleistet gewesen (ich hatte ja noch Glück, ein anderer Kunde hat sich den Arm gebrochen). Und das Geilste war – danach wurde an der Unglücks-Stelle einfach eine Schnur gespannt und dann ham sich dort tatsächlich wieder die Massen versammelt. Naja, jedenfalls tat mir danach so ziemlich alles weh und ich musste mich auch erstmal waschen und verarzten. Trotzdem wird das Spiel als eines der geilsten meiner „Zuschauer-Karriere" eingehen ;-).

Und am Sonntag, unserem letzten gemeinsamen Tag, haben wir es doch tatsächlich geschafft, 6 Stunden in einem Irish-Pub (dem "Dubliners" direkt an Sol) zu verbringen. Anfänglich nur als Zwischenstopp geplant, um den vom vielen Laufen geplagten Füßen etwas Erholung zu gönnen, gefiel es uns dann schließlich so gut, dass wir gleich den kompletten Abend dort verbrachten. Das lag zum einen am ständigen Live-Fußball-Programm (zunächt das Ende des englischen Liga-Pokals und anschließend noch die beiden Sonntagabend-Spiele der spanischen Liga), aber zum anderen natürlich auch an dem genialen Angebot eines mit Eiswürfeln (zum Kühlen) und 6 Flaschen Bier gefüllten Eimers zum Preis von 10 € (bis 22 Uhr, danach 15 €). So wurden doch tatsächlich an diesem Abend 5 ganze Eimer "vernichtet" *g*. Dazu feierten am Nebentisch noch ein knappes Dutzend verrückte Irinnen den 30. Geburtstag einer Freundin, und so war für reichlich Unterhaltung gesorgt :-). Irgendwann war dann aber auch Zeit zu gehen, und so fuhren wir nochmal zu mir nach Hause, um die Sachen der Zwei zu holen, nahmen noch eine letzte Mahlzeit (hmm, Spaghetti :-)) zu uns und dann ging's per Nachtbus erst zum Plaza de Cibeles, und anschließend für die Beiden nach Barajas Richtung Flughafen. Wie gesagt, das waren einfach ein paar tolle Tage.

21 Februar 2007

Real Madrid vs. Bayern München

Nun stand es also an - Real Madrid gegen den FC Bayern München - das Match auf dass ich mich schon seit der Auslosung vor gut 2 Monaten so riesig gefreut hatte und bei dem ich natürlich unbedingt live im Stadion dabei sein wollte. Schliesslich spielte hier mein Lieblingsverein aus Deutschland (naja gut, mein Zweit-Lieblings Verein nach dem FC Energie *g*) gegen das weisse Ballett meiner derzeitigen Wahlheimat. Und das in einem Champions League Achtelfinale im Santiago Bernabeu Stadion – was für ein Spiel! Doch leichter gesagt als getan – was habe ich nicht alles versucht, um an Tickets zu kommen, und lange sah es nicht so aus als ob es noch klappen würde.

Zunächst probierte ich (oder besser gesagt mein Vater) noch im Dezember telefonisch Tickets über den FC Bayern zu bekommen – aussichtslos (nur für Mitglieder bzw. Dauerkartenbesitzer). Dann hoffte ich, über Real an Karten zu gelangen und fieberte dem offiziellen Verkaufsstart 3 Wochen vor dem Spiel entgegen. Doch auch hier in Madrid hatten die Mitglieder und Dauerkartenbesitzer (und davon hat Real „leider“ ganz schön viele) ein gut 1wöchiges Vorverkaufsrecht – wovon sie auch rege Gebrauch machten. Als ich dann nämlich am erstmöglichen Tag, wo Nichtmitglieder Karten erhalten konnten, pünktlich zum Verkaufsstart um 10 Uhr anrief, teilte mir eine freundliche Computerstimme mit, dass bereits alle Tickets vergriffen seien. Und das obwohl die Ticketpreise sich zwischen 40 und 150 € bewegten (für Mitglieder ca. Die Hälfte). So’n Mist! Nun blieb also nur noch die vage Hoffnung, über die Zweite Hand (wie eBay oder Kleinanzeigen) bzw. „Schwarzmarkt“ noch irgendwie günstig an Tickets zu kommen. Schnell war klar, dass noch genügend Tickets auf dem freien Markt vorhanden waren, die sich ein paar findige Mitglieder gesichert und nun zu überhöhten Preisen anboten. Aber ich wollte und konnte keinesfalls mehr als 100 € (teilweise wurden 300 € pro Ticket gefordert) bezahlen. So verrannen die Tage bis zum Spiel, doch die Preise blieben auf unverändert hohem Niveau.

Schliesslich hatte ich doch jemanden aufgestöbert, der eine Dauerkarte für 75 € abgeben wollte. Doch das Treffen 1 Tag vor dem Spiel neben dem Stadion schlug fehl – der Typ tauchte nicht auf (später teilte er mir mit, dass er angeblich einen Autounfall hatte). Doch bei dieser Gelegenheit sprachen mich gleich mal ein kanppes Dutzend andere Leute an, die ebenfalls Tickets verkauften (erst wollten sie 100 € für die billigste Kategorie haben, dann gingen sie langsam bis auf 70 € runter). Schliesslich war ich fast weich gekocht, doch als ich das mir angebotene Ticket dann inspizierte, so ganz ohne irgendwelche Sicherheitsstreifen und beschriftet mit „Real Madrid – Bayern Munche“, bekam ich dann doch Zweifel dass es vielleicht eine Fälschung sei und nahm im letzten Moment noch Abstand vom Kauf. Letztendlich war das Ticket wohl echt (denn die echten waren genauso, bloss mit „Bayern Munchen“ – evtl. war das „n“ nur abgerubbelt), aber es kam sowie so viel besser. Am nächsten Tag nämlich (also dem Spieltag selbst) entdeckte ich nochmal eine Online-Anzeige, in dem ein Typ 2 Dauerkarten zum Gesamtpreis von 100 € anbot. Natürlich nix wie angerufen – diesen Job erledigte mein Chef hier höchstpersönlich ;-) - und er fand das Angebot seriös; handelte es sich doch um einen älteren Mann, der einfach seine 2 Tickets, die er für diesen Spieltag nicht brauchte, zum Einkaufspreis abgab. Und so sagte ich noch Constantin Bescheid, und am Abend sassen wir doch tatsächlich auf Superplätzen im Bernabeu. Und was hat sich das gelohnt.

Hier noch schnell die Aufstellungen: Real Madrid: Casillas - Torres, Helguera, Cannavaro, Roberto Carlos - Gago, Guti - Beckham, Raul - van Nistelrooy, Higuain. Und Bayern München: Kahn - Sagnol, Lucio, van Buyten, Lahm - Demichelis, Hargreaves - van Bommel, Schweinsteiger - Makaay, Podolski.

Ich hoffe ihr habt alle das Spiel gesehen – 5 Tore in einem Champions League Match sieht man schliesslich auch nicht alle Tage. Davon bereits 4 in der ersten Halbzeit – zwischenzeitlich sah es so aus als ob Bayern richtig unter die Räder kommen würde, und dementsprechend gut war die Stimmung im Stadion. Schliesslich verläuft die Saison für die Madrilenen auch alles andere als optimal, und das war seit langer Zeit mal wieder ein Spiel dass die Zuschauer mitriss. Aber in der zweiten Halbzeit dann eine völlig andere Partie – es spielte nur noch Bayern (obwohl sie auch einmal Glück hatten, dass Oli Kahn einen Beckham-Freistoss grad noch so an die Latte lenken konnte). Und dann dieses unglaubliche Finale – van Bommel mit seinem Treffer zum 3:2 eröffnete den Bayern wieder alle Möglichkeiten für’s Rückspiel.Natürlich war Totenstille im Stadion (und das nicht nur, weil bestimmt schon 5.000 Leute ein paar Minuten eher gegangen waren, um dem unvermeidlichen Verkehrschaos nach Spielende zu entgehen) – nur Constantin hüpften und tanzten zwischen den ganzen Madrid-Fans (die uns zwar böse anguckten, aber ansonsten ganz friedlich waren). Es war einfach nur herrlich, von vorne bis hinten ein geniales Spiel. Anschliessend genehmigten Constantin und ich uns noch ein Sieger- ... ähhh... Verlierer-Bierchen ;-) im "Museo del Jamón", und dann ging’s glücklich und zufrieden nach Hause.

06 Februar 2007

Familientreffen in Madrid

Eine Woche nach Salamanca stand dann schon das nächste Event auf dem Programm – ich bekam Besuch von meiner Familie aus Deutschland, will heissen meine Eltern aus Cottbus und meine Schwester Sabine aus Dresden. Das war in dem Sinne schon was Besonderes, als das unser erster gemeinsamer Urlaub seit knapp 10 Jahren war – tja so langsam kommt man in ein Alter, in dem man das auch wieder zu schätzen weiss. Netter Nebeneffekt war natürlich auch, dass in dieser Woche mein Bankkonto etwas Erholung bekam, da so gut wie alles von Mutti und Vati bezahlt wurde :-). Insgesamt dauerte der Urlaub 6 Tage – von Freitag abend bis Donnerstag nachmittag – wofür ich mir auch extra Urlaub genommen hatte, sodass einem umfangreichen Kulturprogramm nichts mehr im Wege stand :-). Jeder Tag begann zunächst mit einem gemeinsamen Frühstück gegen 10 in der Stadt (meine Schwester, die mit bei mir übernachtete, und ich kamen dafür immer aus meiner Wohnung „angereist“; während wir meine Eltern in einem Hostel in einer Seitenstrasse der Gran Vía untergebracht hatten),w elches ich nicht extra in die Beschreibung nochmal mit aufnehme. Mal sehen ob ich noch zusammen bekomme, was wir in den Tagen alles so gesehen und erlebt haben (ich mach’s aber in Stichpunktform, ganz einfach weil es sonst zu lang werden würde und ich das meiste auch schon mal in vorherigen Posts erwähnt hatte):

Freitag:

  • Abholen vom Flughafen, danach Fahrt mit der Metro Richtung Zentrum
  • Einchecken ins Hostel (und 20 € pro Person und Nacht in einem DZ in so zentraler Lage sind doch gar nicht mal so schlecht)
  • in Gran Vía kurz Leonardo DiCaprio auf dem roten Teppich gesehen, der in einem der zahlreichen Kinos dort seinen neuen Film promotete
  • kleine Tapas-Tour rund um Sol und Chueca ("Casa Labra", "Museo del Jamón", "El Tigre")
  • schliesslich noche ein kleiner Absacker in einer kleinen türkischen Bar

Samstag:

  • Stadtrundgang über Sol, Plaza Mayor, die Markthalle „Mercado San Miguel“, Calle Mayor, Almudena Kathedrale, Königspalast, Plaza de España mit Cervantes Denkmal
  • Zwischenstopp im Museo del Jamon, wo wir eigentlich täglich einkehrten und was ab diesem Tag liebevoll „Schinken-Horst“ getauft wurde
  • danach zurück zu Sol, Calle Huertas, zum Cervantes-Haus in einer Nebenstrasse, dann die Paseo del Prado entlang, vorbei am Atlético- und Real Madrid-Springbrunnen (Plaza de Cibeles), weiter zum Plaza de Colón mit der grössten Spanien-Flagge Spaniens und den Kolumbus-Türmen (Torres de Colón)
  • zurück Richtung Gran Vía durch Chueca mit Zwischenstopp in einem Café

Sonntag:

  • Rastro Markt
  • dann Laufen Richtung Atocha vorbei am "Reina Sofia" Kunstmuseum
  • Chinesisch essen in einem Restaurant
  • weiter in den Retiro Park mit der Gedenkstätte „Wald der Abwesenden“ (anlässlich der Anschläge vom 11. März 2004), und den Trommlern an den Säulen am künstlich angelegten See
  • Schnell-Rundgang (2 h) durch den gesamten Prado

Montag:

  • Fahrt mit dem Bus nach Segovia, wo wir u.a. das römische Aquädukt, die Kathedrale und die Festung (Alcazar) besichtigten
  • da die Tapas-Bar „La Esquina de Eusebio“ geschlossen hatte, kurzerhand Spaghetti-Essen bei mir zu Hause zusammen mit meinem Mitbewohner Júan

Dienstag:

  • Stadtbummel entlang der Calle de Alcala, vorbei an der Stierkampfarena „Las Ventas
  • Tapas satt im „Los amigos“
  • Fahrt mit der Metro zu den Kio-Türmen und anschliessend bummeln entlang der Paseo de la Castellana bis zum „Santiago Bernabeu“ Stadion; hier auch kurz Besichtigung meiner Arbeitsstelle
  • anschliessend Fahrt zurück zum Hostel, und während meine Schwester ein wenig shoppen ging, schaute ich mit meinem Vater das grandiose Handball-Viertelfinalspiel Deutschland-Spanien
  • schliesslich Suchen nach einer Bar namens "Cardamomo", die dienstags immer umsonst Nachwuchskünslern ihre Chance unter dem Motto “Flamenco loco“ gibt; da es erst später (kurz nach 12) los ging, nochmal eine kleine Stärkung im Museo del Jamon, und dann gab’s ein top Live-Konzert von einer Band junger Musiker in eben jener Bar

Mittwoch:

  • Besichtigung Bahnhof Atocha mit seinem Botanischen Garten
  • Fahrt mit dem Nahverkehrzug (Cercania) nach El Escorial, wo wir das berühmte Kloster und die Grabstätte Francos im Tal der Gefallenen mit dem Riesen-Beton-Kreuz besichtigten
  • nach Rückkehr nach Madrid zunächst noch kurz Besichtigung des "Tempel von Debod", anschliessend Churros essen in der „San Gines“ Churros-Bar

Donnerstag:

  • nochmal Laufen durch Chueca zum "Plaza de Colón"
  • Besichtigung des Wachsfigurenkabinetts
  • Fahrt mit der Metro zu Moncloa, um den „Leuchtturm“ (Aussichtsturm) zu besichtigen
  • noch ein Abschlussbierchen im Museo del Jamon und ein letztes Mal Sol, bevor es dann mit der Metro Richtung Flughafen ging


Uff, wenn ich mir so anschaue, was wir da so alles in 6 Tagen geschafft haben, ist das eigentlich unglaublich - und es war zwar anstrengend, aber auch superschön.

25 Januar 2007

Trip nach Salamanca


Letztes Wochenende stand mal wieder ein Städte-Trip an – genauer gesagt hat’s uns nach Salamanca verschlagen. Wir liessen uns auch von einigen Warnungen anderer Leute (z.B. einem meiner Arbeitskollegen), dass Salamanca um diese Jahreszeit nicht so partytauglich wie zu anderen Zeiten sein soll (weil gerade Prüfungszeit ist) nicht von diesem schon länger geplanten Vorhaben abbringen. Wir - das waren 10 Deutsche (Susi, Jessi, Peter, Constantin, Andreas, Deike, Franzi, Corinna, Matthäus, ich) und unsere 2 „Quoten-Ausländer“ ;-) (Francesco aus Italien und Suses Intercambio – der Name ist mir ledier entfallen :-(). Es war auch gleichzeitig die letzte (und eigentlich auch erste)) grosse Aktion mit Andreas, mit dem ich in Madrid etliche tolle Party-Abende hatte, da er eine Woche später die Heimreise antreten (musste).
Ich kann es vorweg nehmen - es war mal wieder ein gelungenes Wochenende bzw. eine tolle „Klassenfahrt“ - wie einige Mitreisende schon auf der Hinfahrt festtellten. Diesen Eindruck konnte man tatsächlich gewinnen, wenn man sich die ausgelassene Stimmung im Bus ansah. Verstärkt wurde die ganze Sache noch dadurch, dass wir alle zu zwölft(!) in einem Zimmer, in dem sogar Platz fúr 20 Mann war, einquartiert waren.

Wie sich letztendlich herausstellte, sollten die Salamanca-Kenner mit ihren Prophezeiungen Recht behalten – es waren tatsächlich nicht viele partywütige Salamancaner(?) unterwegs (das galt sowohl für Freitag als auch Samstag Nacht). Hinzu kam noch das v.a. am ersten Tag äusserst bescheiden Wetter - es war kalt, nass und neblig. Trotzdem haben wir natürlich viele lustige Sachen erlebt. In der ersten Nacht zog’s uns, da wir alle sehr hungrig waren, erstmal in ein Restaurant was sich angeblich durch seine (Erasmus-) studentenfreundliche Preise auszeichnen sollte. Das war dann zwar nich so, und auch das Essen war nix Besonderes – weder reichlich noch besonders lecker, aber wir waren zumindest voreerst gesättigt. Dann hatten wir die glorreiche Idee, ein Botellón auf dem Plaza Mayor – also dem zentralen und grossen Platz, der zumeist das Prunktstück einer jeden spanischen Grossstadt ist – mit unserem selbstmitgebrachten Rum und Cola zu veranstalten. Uns war schon bewusst, dass das von den spanischen Behörden – ums mal nett auszudrücken – nicht so gern gesehen (auf gut Deutsch: verboten) ist, aber in unserem jugendlichen Leichtsinn und dem Vertrauen darauf, dass man bei uns Ausländern schon ein Auge zudrücken würde, hat uns das nicht abhalten können. Und so kam es, wie es kommen musste: Nach nicht allzu langer Zeit hielt auf einmal ein Polizeiwagen neben uns an, und ein Polizist kassierte die noch vorhandenen Alkoholflaschen ein, während der andere „nette“ Herr unsere Ausweise einsammelte. Dann durften wir uns 10 min anhören, was wir eh schon wussten (also dass das in Spanien nicht erlaubt ist; zu allem Überfluss registrierte er auch noch, dass wir einen Spanier dabei hatten und fragte, warum er, trotzdem er das Gesetz kenne, bei diesem „Spass“ mitmache), letztendlich erhielten wir aber alle unsere Ausweise zurück, ohne dass wirklich was passierte. Am meisten schmerzte sein letzter Satz: „Wie kann man auch nur so dumm sein und ausgerechnet auf dem Plaza Mayor ein Botellón machen?“ (also auf gut Deutsch: Wenn schon, dann doch bitte auf einem nicht ganz so öffentlichen Platz ;-)). Tjaja, das fragten wir uns dann auch – schade um den schönen Alkohol... Aber wir können ja auch so Spass haben, und so verschlug’s uns an dem Abend zunächst noch in einen grossen Irish Pub, wo sogar einige von uns das Tanzbein schwingen liessen ;-). Und anschliessend ging’s für Andreas und mich zusammen mit einer Bekannten von ihm und ihrer spanischen Freundin in eine spanische Disco, aus der wir uns dann gegen halb 6 nach Hause schleppten.

Den nächsten Tag war erstmal Sightseeing angesagt, obwohl das Wetter zunächst nicht wirklich dazu einlud (es war immer noch nasskalt und neblig). So wanderten wir ein wenig durch die Gassen von Salamanca, bestaunten das La casa de las conchas (Muschelhaus), suchten und fanden den berühmten kleinen Frosch (der inzwischen zum Symbol dieser Stadt geworden ist) auf der Fassade der Universität von Salamanca (übrigens die älteste Universität Spaniens) und nahmen natürlich auch noch die beiden Kathedralen mit. Am späten Nachmittag wollten dann noch enige shoppen, andere wiederum nur Alkohol für den Abend besorgen. Immerhin konnten wir zeigen dass wir was gelernt hatten und veranstalteten diesmal unser Botellón im Hostel und nicht in der Öffentlichkeit *g*. Am Abend ging dann ein Teil (inkl. mir) Chinesisch essen – der Rest vergnügte sich mit Tapas. Und anschliessend gab’s ein bisschen Bar-Hopping – soweit ich mich erinnere haben wir 5 Bars geschafft, bevor es dann wieder Richtung Hostel ging.

Tja und am Sonntag stand dann nach einem ausgiebigen Frühstück nur noch die Besichtung eines Turmes auf dem Programm, bevor ich dann mit Andreas noch nach ein paar kleinen Souvenirs Ausschau hielten (und in Form von kleinen Salamanca-Frosch- Schlüsselanhängern auch fündig wurden) und wir uns schliesslich auf den Weg zum Busbahnhof machten. Gegen 19 Uhr erreichten wir dann wieder unser geliebtes Madrid.

07 Januar 2007

Die spinnen, die Spanier ;-)

Eins vorweg: Der Thread-Titel ist natürlich nicht ganz ernst zu nehmen. Ich hab hier mal versucht, alle die Dinge zusammenzutragen, die mir in Madrid so aufgefallen sind, und über die ich als Deutscher manchmal nur verwundert den Kopf schütteln kann. Die Liste ist natürlich bei weitem nicht vollständig und wird sicherlich im Laufe der Zeit noch erweitert werden *g*:

  • Der Tagesablauf ist im Gegensatz zu Deutschland um ca. 2 h verschoben, was man am besten an den Essenszeiten fest machen kann. So ist Frühstück zwischen 8 und 10, Mittag gibt's zwischen 14 und 16 Uhr und Abendbrot geht vor 20 Uhr nicht los - es ist absolut üblich hier erst gegen 22 Uhr Abendbrot zu essen. Dementsprechend später gehen dann auch alle ins Bett und stehen sie dann auch am nächsten Morgen auf.
  • Trotzdem schließen Fastfood-Ketten wie McDonalds und Burger King zwischen 23 und 24 Uhr (Fr/Sa früh um 2), in einer Großstadt wie Madrid eigentlich nicht nachvollziehbar (da lassen sie sich - zumindest im Zentrum - einen Haufen Geld entgehen). Das zeigt das Beispiel der Churros Bars, die früh gegen 5 und 6 Uhr ihren größten Umsatz machen und knüppeldickevoll sind.
  • Noch schlimmer: Banken haben täglich nur von 8.30 Uhr bis 14 Uhr geöffnet. Wie soll man da als normaler Arbeitnehmer seine Bankgeschäfte erledigen? Ja klar, Online-Banking *g*. Zudem werden mit Ausnahme der ganz großen Kaufhäuserr die Läden von 14 - 17 Uhr dicht gemacht und eine Siesta eingelegt.
  • Da Wohnungen gerade im Zentrum Madrids knapp und teuer sind, werden doch tatsächlich Zimmer ohne Fenster vermietet (Jessi weiß ein Lied davon zu singen ;-)).
  • Es ist absolut nicht ungewöhnlich, für eine Copa (also ein alkoholisches Mixgetränk wie "Cuba Libre") in großen Discotheken 11 € zu bezahlen.
  • Wo wir schon beim Alk sind: Alkoholische Getränke dürfen per Gesetz nach 22 Uhr nicht mehr verkauft werden. Sollte mal Not am Mann sein, kann man sich vertrauensvoll an den Chino seiner Wahl wenden ;-).
  • Für mich als Salat-Fan ist es echt hart, dass es hier keine Fertigwürzmischungen (ihr wisst schon, diese 5er-Packs in Geschmacksrichtungen Paprika-Kräuter, Italia, Dill-Kräuter usw...) wie in Deutschland gibt. Auch fertiges Dressing in der Flasche ist nur sehr schwer zu finden und obendrein noch sauteuer. Da bleibt nur die herkömmliche Variante mit Essig und Öl - auf Dauer etwas langweilig.
  • Was mich noch viel schlimmer trifft (weil ich süchtig bin) ist, dass es hier kaum Gummibärchen zu kaufen gibt (höchsten so'n saures Zeug mit Zucker dran), und wenn doch, dann ist es ebenfalls superteuer. Hab mich deshalb bei meinem Weihnachtsurlaub erstmal mit 10 Tüten aus Deutschland eingedeckt, was für einiges Schmunzeln bei der mich kontrollierenden Zollbeamtin sorgte.
  • Fußball ist hier mit Abstand der Volkssport Nr. 1 (allein Real Madrid hat ca. 70.000 Mitglieder) - das wird allerdings auch schamlos ausgenutzt und der Fußball-Fan gnadenlos zur Kasse gebeten. So ist ein Stadion-Besuch sehr teuer (in Madrid gehen die Preise für ein normales Ligaspiel ab 25 € los, gegen den FC Barcelona kann man - so man denn eine Karte irgendwo kriegt - gut und gerne schon mal 400 € löhnen). Will man ansonsten die Top-Spiele live sehen, muss man sich ähnlich wie in Deutschland Pay-TV zulegen. Ein bisschen wird aber auch an den "normalen" Fußballfan gedacht - so gibt es am Sonntag, wo die meisten Spiele stattfinden, eine Sendung, wo von einem Hauptstudio aus in alle möglichen Stadien geschalten wird und sich Reporter live aus dem jeweiligen Stadiun zum aktuellen Spielgeschehen äußern. Das Ganze ist ähnlich unserer Konferenzschaltung im Radio, nur hier eben mit Bild - jedoch nicht vom Spiel selbst, sondern immer nur vom Reporter und im Hintergrund die Fans. Echt verrückt! Im Anschluss an die Spiele (die übrigens nicht alle gleichzeitig stattfinden, sondern wiederum schön auf den Abend verteilt werden) gibt's eine ca. 5 bis 10 minütige Zusammenfassung zum Spiel. Die ganze Sendung dauert übrigens von 17 Uhr bis 23.50 Uhr - und das jeden Sonntag!
  • Was mir hier total auf den Sa** geht, ist, dass alles, aber auch wirklich alles aus dem Englischen "eingespanischt" wird. Dass manchmal für ein wirklich gebräuchliches englisches Wort einfach ein neues spanisches erfunden wird, mag ja noch OK sein (obwohl bei Städteverhunzungen wie Nueva York echt der Spaß aufhört) - manchmal jedoch werden Wörter einfach 1:1 übernommen (von der Schreibweise her), aber dann eben auf Spanisch ausgesprochen, inkl. aller (amerikanischen) Markennamen und Eigennamen von Personen. So wird der größte Softwarehersteller der Welt eben 'Miekrosoft' ausgesprochen. Schreeeecklich...
  • Dass die Spanier eine sehr (national)stolze Nation ist, kann man u.a. auch an der Musik (z.B. im Radio) feststellen. Wenn man sich hier mal die Charts anschaut, so gibt es verglichen mit Deutschland längst nicht so viele internationale Künstler in den Top 20, sondern fast ausschliesslich spanisch bzw. spanisch-singende Gruppen. Will ein Sänger hier in Spanien Erfolg haben, muss er sein Lied auch nochmal auf Spanisch einsingen - und auch nur diese Version wird dann hier gespielt. Ist das bei einem Enrique Iglesias oder einer Shakira noch nicht weiter verwunderlich, so hat es mich schon ein bisschen überrascht, dass Eros Ramazzotti hier alle seine Hits nur in einer spanischen Version singt. Selbst Moby's aktueller Hit wird hier nur in Spanisch gespielt...
  • (Fast) jede Antwort auf eine Aussage eines anderen beginnt mit "Si, pero...", was nichts anderes als "Ja, aber..." heißt. Also erstmal immer recht geben (um nicht unhöflich zu sein), aber andererseits wird danach trotzdem widersprochen *g*. Da ist mir doch die direkte Art der Deutschen doch etwas lieber...
  • Spanier sind im Allgemeinen sehr familienbewusst, oder - wenn man's negativ ausdrücken möchte - "Muttersöhnchen" ;-). So wird das elterliche Zuhause viel später als in Deutschland geräumt - es ist keine Seltenheit, dass Spanier mit 35 noch bei ihren Eltern leben.
  • Nachdem eine Fußgängerampel hier in Spanien von Grün auf Rot umgeschaltet hat, sollten die sich noch auf der Straße befindlichen Fußgänger wirklich schnell losrennen, denn nach einer wirklich nicht nenenswerten Pause (vielleicht 1 Sekunde) schaltet schon die Autoampel auf grün, und die Autos kommen herangerast. Davon abgesehen schert sich hier eh keiner um Rot (weder Fußgänger noch Autofahrer(!)); Rot bzw. Zebrastreifen bedeutet nicht das auch angehalten wird... Trotzdem hört man kaum von irgendwelchen Unfällen.
  • Wenn man hier in einen Bus zusteigen will, sollte man nie vergessen, dies durch Hand-Raushalten dem heranrollenden Bus bzw. dem darin sitzenden Fahrer auch anzuzeigen. Sonst wird gnadenlos weiter gefahren - unabhängig davon, wie viele Leute warten und zu welcher Tageszeit. Das lernt man aber ganz schnell man mal nachts nach 20 min Warten stehen gelassen wird und 'ne halbe Stunde auf den nächsten Bus warten muss ;-)...
  • Die Spanier sind allesamt verrückt nach Lotto. Ob das nun mit den christlichen Wurzeln und allgemein Gläubigkeit hier zu tun hat (was ja meine Theorie ist), sei dahingestellt - aber jedenfalls spielt hier wirklich fast jeder jede Woche irgendeine Art Lotto; 20 bis 100 € Einsatz sind dabei keine Seltenheit. Es gibt sogar extra Läden dafür, wo nur Lottolose verkauft werden. Und man mag es kaum glauben, aber ich hab schon gesehen, wie sich davor am Donnerstag und Freitag Schlangen von 20 Leuten Länge und mehr bildeten - unglaublich...
  • Silvester wurde hier in Madrid (vor allem von jungen Leuten) einen Tag vorher schon einmal "vorgefeiert". Also am Abend des 30. Dezembers genau das gleiche Ritual - Sol war genauso voll wie einen Tag später zum "richtigen" Silvester, es wurde genauso runtergezählt, die Weintrauben geschluckt und mit Alkohol angestoßen. Welchen Sinn es haben soll, zweimal Neujahr zu feiern? Kann mir das nur mit notorischer Partywut der Spanier erklären *g*...

01 Januar 2007

¡Próspero año nuevo!

Bin wieder gut erholt (und dank dem guten Essen meiner Mutter mind. 3 kg schwerer ;-)) wieder zurück nach Madrid zurückgekehrt – übrigens nur 1 Tag bevor die ETA mal wieder einen Anschlag auf den Flughafen Madrid verübte. Ist schon komisch wenn man daran denkt, dass man kurz zuvor genau an diesem Ort war…

Am 30. Dezember kam auch Arnaud aus Frankreich zurück, und wir Zwei wollten uns eigentlich treffen, um auf „Sol“ einen Tag vor dem eigentlichen Silvester an genau gleicher Stelle schon mal vorzufeiern – das ist hier in Madrid so üblich. Doch zu dem Treffen kam es leider nicht – Arnaud war weder in der WG in Gran Vía noch nahm er sein Handy ab. Später erfuhr ich, was der Grund dafür war: Ihm wurde (wie schon so vielen anderen hier) das Portemonnaie in der Metro geklaut, und danach war er auf der Polizeiwache (wo er sein Handy auf lautlos gestellt hatte). Voll bepackt mit seinen vielen Sachen war er laut eigenen Worten ein leichtes Opfer für die seiner Meinung nach 3 jugendlichen Täter gewesen. Ironie des Schicksals: Noch vor ein paar Wochen hatte sich Arnaud darüber amüsiert, „wie blöd man sein müsse“, sich hier ausrauben zu lassen (weil wir’s halt schon von etlichen Leuten gehört hatten). Nun hat’s ihn selber erwischt – und trotzdem er gemerkt hat, dass irgendwas nicht stimmt (erst wurde er angerempelt und dann fummelte jemand hinten an seinem Rucksack rum), so hat er nicht gemerkt, wie jemand aus seiner Vordertasche(!) der Hose das Portemonnaie mit allen Dokumenten und reichlich (Weihnachts-)Geld zog. Da muss man hier echt aufpassen in Madrid – jeder der nach Tourist aussieht ist besonders gefährdet – gerade wenn man voll bepackt vom oder zum Flughafen bzw. Bahnhof unterwegs ist.

Also ging ich an diesem Abend allein auf Sol, wo schon jetzt praktisch der gleiche Ausnahmezustand wie am darauf folgenden „richtigen“ Silvesterabend herrschte. Leute drängelten sich dicht an dicht, da musste man schon einiges an Geduld mitbringen, um sich langsam durch die Massen Richtung Mitte zu schieben. Alle Straßen und Gassen, die auf Sol führen, waren durch Barrieren von der Polizei versperrt, und man kam nur durch einen etwa 1 m breiten Durchgang hindurch. Auf diese Weise wurde zum einen gewährleistet, dass alle Leute mit Taschen und Rucksäcken diese nicht einfach vorbeischmuggeln konnten (aufgrund eventueller Bomben etc. – wie gesagt, an jenem Tag gab’s erst früh einen ETA-Anschlag in Madrid). Und zum anderen konnte die Polizei auch einfach dichtmachen, im Falle dass sich schon zu viele Leute auf dem Platz befinden. Auf Sol selber herrschte eine ausgelassene Stimmung – die meist jungen Leute redeten, hüften und skandierten irgendwelche Neujahrssprüche, ab und zu ging mal ein Böller hoch, woraufhin weiterer Jubel aufbrandete. Sogar das Fernsehen war da. Das Wichtigste aber sind die Weintrauben, wovon fast jeder Spanier um Mitternacht genau zu jedem Glockenschlag 1, also insgesamt 12, zu schlucken versucht (was nebenbei gesagt alles andere als einfach ist). Das soll Glück für’s nächste Jahr bringen. War schon toll als es dann wirklich um 12 war, alle laut mitgezählt und ihre Trauben geschluckt haben. Anschließend fielen sich alle in die Arme und ließen die Korken knallen – wohlgemerkt, es war soeben erst der 31.12.2006 angebrochen. Schon verrückt - die haben hier echt zwei Mal Silvester *g*. Eigentlich wollte ich mich dann noch mit Susi und Jessi treffen, doch als sich dann noch mein Handy verabschiedete als ich noch mal bei Gran Viá war um zu checken, ob Arnaud inzwischen da war, dachte ich mir – ‚Nee, das tuste dir nicht noch mal an, noch mal durch die Massen auf den Platz zu schieben, ohne vielleicht die Mädels zu treffen’. Und so ging ich dann schon relativ zeitig wieder nach Hause, was mir aber auch zumindest in de Hinsicht ganz lieb war, al dass ich eh noch sehr müde war und am nächsten Tag dann aber fit für das richtige Silvester sein wollte.

Am 31. dann traf ich mich zunächst erstmal mit Arnaud, Anja und Jakob sowie einem italienischen Pärchen, was jetzt neu in Gran Vía wohnt, in ihrer WG. Dann wollten Anja und Kuba in ein Restaurant – wir alle mit; doch da an diesem Abend viele Restaurants (sogar McDonald’s :-)) geschlossen hatten oder übertotal überfüllt waren, gingen wir dann nach einigem Suchen doch wieder zurück in die WG, wo dann der Italiener eine leckere Pasta zurecht zauberte. Frisch gestärkt ging’s dann gegen halb 12 in Richtung Sol, und wir kamen tatsächlich noch rauf (was ich nicht gedacht hätte). Alles war wieder so wie am Vortag, was ich ja schon ausführlich geschildert hatte, nur diesmal war’s halt wirklich Neujahr :-). Wir aßen aßen brav unsere Weintrauben und stießen mit selbst mitgebrachtem Cava an und genossen das prächtige Feuerwerk, was die Stadt da so über unseren Köpfen in den Himmel ballerte. Anschließend machten wir uns auf zu Arnauds Bruder, der mit ein paar anderen Franzosen schon wieder in seiner WG war. Hier trennten sich dann mein Weg und der der anderen, da ich noch auf eine Party von meinen Arbeitskollegen gehen wollte. Die hatten eine Bar angemietet, und nach Zahlen eines kleinen Obolus ;-) von 35 € (was für einen armen Studenten wie mich natürlich nicht gerade billig ist) gab’s aber zumindest alle Getränke an der Bar für lau. Und auch so war’s eine tolle Party – in dem kleinen Raum drängten sich an die 80 Leute, und wir haben viel gelacht, und auch getrunken *g*. Das merkte ich dann spätestens daran, dass ich früh um halb 7 in meinem Nachtbus einschlief und irgendwo vom Fahrer geweckt wurde, wo ich vorher noch nie gewesen war. Also hieß es , den nächsten Bus wieder in die entgegen gesetzte Richtung nehmen, zum Ausgangspunkt zurück und anschließend mit der Metro, die dann auch schon wieder fuhr, zu mir nach Hause, wo ich dann endlich gegen 8 eintraf. Alles in allem ein ganz netter Start ins neue Jahr – mal sehen was noch so kommt :-).

19 Dezember 2006

¡Feliz Navidad!

Hier noch schnell eine kurze Zusammenfassung der erwähnenswerten Ereignisse der letzten Woche(n):

Auf Arbeit war in letzter Zeit eine Menge zu tun; das Projekt, an dem ich zur Zeit mitarbeite, soll möglichst noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Das wird sich aber wohl noch bis ins nächste Jahr reinziehen…
Vergangenen Freitagabend war ich in einer Tapas-Bar ganz in der Nähe meiner Wohnung bei der Geburtstagsfeier von Jorge - einer meiner Kollegen und Freunde von Arbeit. Da waren ’ne ganze Menge Leute da und Freibier gab’s auch – beste Stimmung war also garantiert.
Den Tag darauf, also Samstagabend fand eine kleine Weihnachtsfeier in meiner Ex-WG in Gran Vía statt, was gleichzeitig auch eine kleinen Abschiedsparty etlicher Leute dort war, da sie nach Weihnachten nicht mehr zurückkommen werden. Die Tür aus einem Zimmer wurde mal wieder ausgehangen und als Essens-Tafel „missbraucht“. Nett war, dass einige Leute etwas Typisches aus ihrem jeweiligen Land gekocht hatten – wir haben alles mal durchprobiert. So gab’s z.B. aus Polen Tortellini in Rote-Beete-Suppe und Kartoffelpuffer (süß und herzhaft), aus Deutschland Käsespätzle und aus Frankreich Crêpes. Alles sehr lecker. Dazu gab’s hausgemachten Glühwein aus Rotwein, Glühfix und reingeschnippelten Früchten und Plätzchen, die Annette noch am Nachmittag in meiner Wohnung gebacken hatte, da ich hier einen Herd habe. Zwischenzeitlich verlagerte sich die Party in Bertrands Zimmer, wo eben Bertrand und Baptiste ein paar Songs auf ihrer Gitarre schrammelten. Um 2 gingen wir dann schließlich noch weg - ein Teil ins Kapital (wo ich ja schon mal war und was ich mir nicht unbedingt noch mal antun muss *g*) und der Rest nach Malasaña in eine Rockkneipe.
Am darauf folgenden Sonntagmittag musste ich mich ganz schön aufraffen, um trotz Müdigkeit aufzustehen und noch mal dem Rastro-Markt einen Besuch abzustatten. Hier kaufte ich Souvenirs sowie andere Geschenke ein, da ich das alles jetzt schon mit nach Deutschland nehmen wollte, weil am Ende meines Madrid-Aufenthalts wird’s bestimmt wieder knapp mit dem Gepäcklimit von 20 kg.
Und Montag schließlich haben ich noch eine kleine „Burger night“ bei mir in der Wohnung veranstaltet, wo wir selbst Hamburger zubereiteten und verspeisten. Neben meinem Mitbewohner Juán (Jesús konnte leider nicht) waren noch Anja, Kuba (ein polnisches Pärchen, die die Nachmieter meines Zimmers in Gran Vía sind) und Arnaud dabei. Ich hatte mich ein klein wenig bei den Hamburger-Patties verspekuliert. Eigentlich wollte ich die nämlich tiefgefroren (wie in Deutschland üblich) kaufen, doch das gibt’s hier nicht. Also kaufte ich frisches Hackfleisch (was erst vor meinen Augen frisch durch den Fleischwolf gedreht wurde) und staunte nicht schlecht, als ich für 1200 Gramm 10 € bezahlen musste. Dafür waren die Burger aber dann auch besonders lecker – und der Abend ein voller Erfolg.

Nun geht es also für eine Woche zurück nach Deutschland, genauer gesagt nach Cottbus, wo traditionell Weihnachten ganz in Familie gefeiert wird. Natürlich hoffe ich auch, viele Freunde mal wieder zu sehen. Am Abend des 29. Dezember werde ich dann aber wieder hier in Madrid sein, schließlich will ich Silvester auf jeden Fall hier feiern. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

11 Dezember 2006

Bilbao + San Sebastián

Nach dreistündiger Busfahrt kam ich dann am Donnerstagabend auf meiner letzten Station meiner Mini-Rundreise durch Spanien an – und zwar in Bilbao im schönen Baskenland. Ich war gespannt, ob man auch im öffentlichen Leben etwas vom schon seit Jahrzehnten andauernden Bestreben nach Unabhängigkeit des Baskenlandes und dem damit in Zusammenhang stehenden „Freiheitskampf“ der spanischen Untergrund-Organisation ETA merken würde. Doch nichts, rein gar nichts – die Menschen hier sind genauso freundlich wie überall sonst in Spanien auch (wenn auch etwas zurückhaltender und nicht ganz so offen, sie bleiben lieber „unter sich“). Auch dass man nun einen besonderen Patriotismus hier vorfinden würde, kann ich (mit meinem oberflächlichen Blick) nicht bestätigen – das öffentliche Bild wird nicht mal durch eine Auszeichnung der Schilder oder Geschäfte in einer anderen Sprache (wie z.B. in Katalonien per Gesetz verordnet) „gestört“; obgleich Baskisch bzw. „Euskara“ – welches insofern äußerst interessant ist, als dass es mit keiner anderen Sprache verwandt ist - existiert und auch gesprochen wird.

Genug der Vorrede – nachdem ich also aus dem Bus ausgestiegen war, fuhr ich mit der Metro gut 15 Minuten zu einer mit meinem nächsten (wieder über Couchsurfing gefundenen) Host vereinbarten Station, wo er dann auch schon auf mich wartete. Und wieder hatte ich einen echten Volltreffer gelandet. Mein nächster Host war Gary, ein Engländer aus der Nähe von Norwich, der jetzt seit einem Jahr in Bilbao lebt. Er arbeitet dort als Englisch-Lehrer und nutzt die Gelegenheit, um sein Spanisch aufzupolieren. Dabei kommt ihm zugute, dass er sich mit 2 Argentiniern und 1 Spanierin (alle ungefähr mein Alter) eine Wohnung teilt - und was für eine! Erstmal ist die Bude riesig mit einer herrlich großen Küche und einem noch größeren Wohnzimmer (zusätzlich hat jeder Mitbewohner natürlich sein eigenes Zimmer), zudem kommt noch ein Dachgeschoss. Und dann der Ausblick – wenn man aus dem Wohnzimmer-Fenster guckt, kann man auf einen kleinen Hafen, Strand und natürlich den Ozean schauen – Wahnsinn! Das ganze kostet ihn grad mal die Hälfte von dem, was ich hier in Madrid bezahle… Unumstrittener König der WG ist aber „Mono“ (zu deutsch: Affe *haha*), ein kleiner, knapp 1-jähriger Hund, der die ganze WG auf Trab hält. Der hat mich dann auch oft früh (also so gegen 10) erstmal abgeschlabbert, weil ich im Wohnzimmer, wo ich auf einer (1,60 x 2 m) großen Matratze geschlafen hab, natürlich leichte „Beute“ für ihn war :-). Gary ist übrigens Vegetarier, aber nicht aus Überzeugung weil ihm die Tiere so leid tun, sondern es ist mehr oder weniger eine Marotte geworden; inzwischen hat er gemerkt, dass er auch ganz gut (oder sogar besser) ohne Fleisch auskommen kann. Dafür macht er sich aber jeden Tag die Mühe, ausgiebig und mit den erlesensten Zutaten zu kochen. Die 3 Tage konnte ich mich von seinen Kochkünsten überzeugen; wir haben eigentlich immer früh (auch da gab’s oft schon was Warmes, und immer frisch gepressten Orangensaft) und abends zusammen gegessen.

Am ersten „richtigen“ Tag in Bilbao, also am Freitag, hatte Gary frei, und machte von sich aus den Vorschlag, ob wir nicht zusammen in seinem Auto nach San Sebastián fahren wollten (wo er selbst vorher auch noch nie war). Perfekt, da war ich natürlich sofort dabei – hatte ich doch vor meiner Reise noch überlegt, in welche der beiden baskischen Städte ich fahre (und mich, trotz dem San Sebastián gemeinhin als das touristisch attraktivere Städtchen gilt, für Bilbao entschieden) – und nun konnte ich praktisch 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen. So schnappten wir uns noch Mono, für den das Ganze natürlich auch ein willkommenes Abenteuer war – und ab ging’s die rund 100 km nach San Sebastián. Dort machten wir einen Bummel durch die Altstadt, gingen ein Stück an der Küste mit sehr stürmischer See sowie später am Strand entlang und schließlich fuhren wir noch mit einer Seilbahn auf einen Hügel hinauf, auf dem sich ein kleiner Vergnügungspark befindet und von dem aus man die „schönste Aussicht der Welt“ hat, wie man dort oben an einem Schild lesen kann. Zwischendurch haben wir uns natürlich auch ein paar leckere Tapas in zwei Bars schmecken lassen, die besonders lecker waren – nicht umsonst genießt San Sebastián den Ruf, dass hier die besten Köche und die beste Küche Spaniens zu finden sind. Es war jedenfalls ein rundum gelungener Ausflug, und dementsprechend kaputt waren wir auch, als wir nach Hause kamen.

Am nächsten Tag erkundete ich dann auf eigene Faust Bilbao, da Gary vormittags Unterricht gab. Ich muss sagen, dass mir vom Stadtbild und der Landschaft Bilbao fast noch besser als Barcelona gefallen hat – alles ist grün, sehr sauber und gepflegt. Bilbao ist natürlich auch herrlich gelegen entlang eines Flusses, der im Norden Bilbaos in den Atlantischen Ozean mündet, und eingerahmt von grün bewachsenen Bergen. Dazu ist es bei weitem nicht so dicht besiedelt wie eine richtige Großstadt, sodass alles etwas familiärer wirkt, aber eben nicht Dorfcharakter hat. Also eine Stadt, in der ich mir ohne weiteres gut vorstellen könnte, zu leben (mal abgesehen davon dass ich etwas wärmere Gegenden mit mehr Sonne dann doch bevorzugen würde). Das Baskenland ist eine der wohlhabendsten Gegenden Spaniens, und das sieht man auch. Andererseits ist Bilbao damit auch nicht gerade eine Party-Hochburg, die Leute pflegen ihr Arbeiter-Image ;-) und sind wie schon erwähnt etwas reservierter, was aber eben keinesfalls als unfreundlich missverstanden werden sollte. Hauptsehenswürdigkeit (und vielmehr gibt’s dann eigentlich auch schon gar nicht) ist das Guggenheim-Museum, welches schon allein durch sein spektakuläres Äußeres ins Auge sticht. Da jener Samstag doch ziemlich verregnet war, verbrachte ich dann auch gut 4 Stunden in eben diesem Museum und schaute mir alle 3 Etagen sowohl mit den Dauerausstellungen sowie der aktuellen Ausstellung mit Exponaten afrikanischer Künstler an. Gerade letzteres war ganz interessant, wohingegen mich die Dauerausstellungen nicht wirklich vom Hocker rissen. Wie dem auch sei, abends trafen wir uns wieder mit Gary, um eine Show junger Künstler in einem Theater anzuschauen (wo u.a. seine spanische Mitbewohnerin teilnahm). Das Spektrum reichte von spektakulärer Akrobatik über Jonglieren und Zaubertricks, und durchs knapp 3-stündige Programm wurde von 2 Clowns geführt. Alles war nur semi-professionell, aber irgendwie machte das die ganze Sache so gut, und das überwiegend junge Publikum (18 bis 30 Jahre alt) quittierte etliche Darbietungen mit tosenden Applaus und begeisterten Zwischenrufen – eine sehr gelungene Veranstaltung. Anschließend gingen wir noch mit ein paar weiteren Freunden Garys in eine Halle, wo sich die ganzen gerade aufgetretenen „Künstler“ und jede Menge Leute mehr zur „After-Show-Party“ trafen und an weiteren Kunststückchen feilten oder einfach nur ein paar Bierchen und andere Genussmittel ;-) zu sich nahmen.

Und tags darauf war dann auch schon Sonntag und somit mein vorerst letzter „Ferientag“, an dem ich nach der langen Nacht zuvor erstmal ausschlief. Nach einem letzten gemeinsamen Essen verabschiedete ich mich von Gary, und lief noch für 2 Stunden durch die Altstadt, bevor es dann am frühen Abend per Bus wieder zurück nach Madrid ging, wo ich schließlich gegen 11 Uhr eintraf. Jetzt heißt es noch mal 2 Wochen arbeiten, bevor es für 1 Woche über Weihnachten in den wohlverdienten „Heimaturlaub“ nach Deutschland geht.

Zaragoza


Nach dem grandiosen Fußballspiel ging's auf zum Hostel, um unsere Taschen abzuholen und anschließend weiter zum Busbahnhof "Nord". Dort trennten sich dann Jakob's und meine Wege - er fuhr zurück nach Madrid, während ich den Bus nach Zaragoza nahm. Dort kam ich dann gegen 4.30 Uhr völlig übermüdet an – und so machte ich’s mir erstmal auf einem der Wartesitze in dem kleinen Busbahnhof-Warteraum „gemütlich“. Und zwar so lange, bis ich nach ca. 1 Stunde von durch lautes Herumbrüllen geweckt wurde. Ein Typ von der „Guardia Civil“ machte sich wichtig und wollte einen Obdachlosen rausschmeißen, der sich aber lautstark „verteidigte“. Nachdem ich mir das Schauspiel 10 Minuten angesehen hatte, schnappte ich mir meine Tasche und ging (nicht weil ich befürchtete, auch rausgeschmissen zu werden – was wohl kaum passiert wäre – aber an Schlafen war bei dem Krach auch nicht mehr zu denken. So schlenderte ich die nächsten 5 Stunden durch das eisig kalte morgendliche Zaragoza, schaute mir die Stadt an und wärmte mich hin und wieder in irgendwelchen Lokalitäten auf (z.B. im Bahnhofsgebäude, welches nebenbei bemerkt riesig groß, noch ziemlich neu und von der Innenarchitektur ziemlich interessant ist – man muss praktisch immer zick-zack laufen um von einem Ende zu anderen zu kommen). Das „Problem“ neben den schon relativ frostigen Temperaturen war v.a. ständiger Wind, welcher, wie ich später erfuhr, kalte Luft vom Gebirge mit sich führt und sehr typisch für Zaragoza ist. So hätte Zaragoza wohl den Beinamen „Windy city“ wohl mindestens genauso verdient wie Chicago :-). Auf den ersten Blick schien Zaragoza ein eher trostloser Ort mit vielen Neubauten und wenig interessanten Plätzen und Gebäuden zu sein, doch je länger ich lief, desto mehr änderte sich dieser Eindruck. Die Stadt befindet sich darüber hinaus sowieso gerade in einem Umbruch, da Zaragoza 2008 Gastgeber der Weltausstellung Expo sein wird.

Um halb 11 meldete sich dann schließlich per Telefon mein Host Jorge, den ich über das Couchsurfing Projekt gefunden hatte – ein lustiger Typ, der 5 Jahre in London studiert hatte, schließlich aber doch nach Spanien zurückkam und für sein Leben gern reist. Er beschrieb mir den Weg mittels Bus – und eine halbe Stunde trafen wir uns schon an der Bushaltestelle nahe seiner Wohnung. Nachdem ich mein Gepäck in seiner Bude abgestellt hatte, ging’s auch gleich weiter zum Stadtbummel 2. Teil ;-) – diesmal aber eben mit „fachkundigem“ Führer. Nachdem wir den kulturellen Teil mit einem Besuch im "Museo Provincial" abgehakt hatten ;-), zeigte mir Jorge eine (Tapas-) Bar, wo’s die besten Calamares-Bocadillos der Stadt gibt – superlecker. Anschließend sammelten wir 3 polnische Mädels auf, die von Vitoria (im Baskenland) nach Barcelona trampten und sich kurzfristig ebenfalls für eine Nacht bei Jorge einquartieren wollten. Also wieder zurück zur Wohnung, wo’s dann erstmal einen heißen starken Kaffee gab, der nach der Kälte doppelt gut tat, und wo wir fünf bestimmt 2 Stunden quatschten, wo jeder schon mal war, wo’s besonders schön war und wohin’s noch gehen soll. Schließlich ging’s noch mal in die Stadt, wo wir uns die Hauptsehenswürdigkeiten anschauten. An erster Stelle sind hier die beiden Kirchen „Basilica del Pilar“ (das größte barocke Bauwerk Spaniens) und die „Catedral de la Seo“ sowie ein römisches Amphitheater, welches erst vor ein paar Jahren zufällig mitten im Zentrum entdeckt wurde, zu nennen. Was den Stadtrundgang aber erst so richtig perfekt machte, waren Jorges Ausführungen und Erläuterungen - er hatte zu fast jeder Sehenswürdigkeit noch eine interessante Geschichte parat. Am Abend machten wieder dann noch eine „Tapas“-Tour durch einige Bars, die in der Altstadt dicht an dicht lagen. Dabei aßen wir auch die besten „patatas bravas“ der Welt *g*, wie in einigen Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln im Schaufenster einer solchen Bar nachzulesen war. Aber sie waren wirklich verdammt lecker. Ganz nebenbei entdeckte ich noch mein Lieblingsbier in Spanien, das „Ambar“, welches eben in und rund um Zaragoza gebraut und getrunken wird (welches ich in Madrid aber bisher leider noch nicht gesehen hab). Und mit etlichen Gläsern dieses leckeren Gebräus ließen wir den Abend dann auch in einer weiteren Bar nahe Jorges Wohnung ausklingen. Geschlafen hab ich auch prima, hatte ein großes Bett (frisch bezogen!) ganz für mich allein. Am nächsten Morgen ging dann jeder seiner Wege – Jorge musste auf Dienstreise in irgendeine andere spanische Stadt und die Mädels trampten weiter Richtung Barcelona, sodass mir genug Zeit bis zur Abfahrt meines Busses am Nachmittag Richtung Bilbao blieb, noch mal Fotos von den ganzen Orten zu machen, wo wir tags zuvor waren. Da hatte ich jedoch meine Kamera aufgrund leerer Akkus nicht dabei – über Nacht konnte ich sie aber dann eben aufladen. Insgesamt war es ein wirklich gelungener Aufenthalt, welcher mir v.a. durch meine erste, superpositive Couchsurfing-Erfahrung in guter Erinnerung bleiben wird. Ich kann nur jedem, der nur ein bisschen aufgeschlossen ist, dazu raten – nicht nur dass man sich Geld für’s Übernachten spart, sondern eben auch noch nette Leute kennenlernt, welche einem z.B. die Stadt zeigen oder mit denen man einfach Erfahrungen austauschen kann. So hätte ich z.B. von allein nie von der Bar mit den Calamares-Bocadillos oder dem Ambar-Bier erfahren. Klar hatte ich sicher auch ein wenig Glück, dass das nun gleich so ein einschlagender Erfolg war, grundsätzlich denke ich, dass die Leute, die sich für eine Sache wie Couchsurfing anmelden (und das nicht nur zum "Unterkunft-schmarotzen" missbrauchen ;-)), schon von Natur aus interessant bzw. „cool“ sein dürften.

FC Barcelona vs. Werder Bremen

Am Abend des 05.12.06 war es dann also endlich soweit - ich hatte die Ehre ;-) beim entscheidenden Spiel um den Einzug in die Runde der letzten 16 der diesjährigen UEFA Champions League im größten Stadion von Europa - dem "Camp Nou" in Barcelona - live vor Ort mitzuerleben, mein zweites Champions League Spiel innerhalb on 2 Wochen. Jakob und ich waren die Tage zuvor schon aufgeregt gewesen, aber jetzt – so eine Stunde vorm Spiel – war die (An-)Spannung förmlich greifbar. Und was war das für ein erhebender Moment – als wir dann nach dem Treppenaufstieg (übrigens alles noch schön per Fuß – und nicht so vornehm per Rolltreppe wie im Santiago Bernau) endlich hinaustraten und den Innenraum in seiner ganzen Pracht sehen konnten. Ein Fußballtempel für 98.600 Zuschauer - einfach nur Wahnsinn. Da muss jedem Fußball-Fan das Herz einfach höher schlagen. Und mit jeder Minute füllte sich das Stadion mehr – schließlich waren es etwas mehr als 96.000 Menschen, die das Spektakel verfolgten – was für eine Kulisse! Dazu ein Einheizer (Stadionsprecher), der schon weit früher als 1 Stunde vor Anpfiff das zu dem Zeitpunkt noch fast leere Stadion (Spanier tendieren dazu, gerade so zum Anpfiff zu kommen) auf die bevorstehende Aufgabe einzuschwören, alles mit viiiiiel Pathos *g*. Aber nicht nur die Barca-Fans waren bester Dinge, auch der Werder-Anhang machte ordentlich Stimmung (da lief doch tatsächlich die La-Ola-Welle durch die Werder-Blöcke). Die Aufstellungen noch kurz: Für Werder liefen auf: Wiese - C. Fritz, Mertesacker, Naldo, Womé - Frings - D. Jensen, Borowski- Diego - Klose, Hugo Almeida, während Barcelona wie folgt antrat: Victor Valdes - Zambrotta, R. Marquez, Puyol, van Bronckhorst - Motta - Iniesta - Deco - Giuly, Gudjohnsen, Ronaldinho.
Und dann ging’s endlich los. Die Stimmung war einfach überwältigend. Was mir als erstes im Vergleich mit dem Santiago Bernabeu aufgefallen ist, war, dass in Barcelona längst nicht so viele Touris (wie ich *g*) im Stadion waren *g*) im Stadion waren, sondern echte Vollblut-Fans (das soll allerdings bei „wichtigen“ Spielen laut meinem Arbeitskollegen, der Mitglied ist, auch bei Real nicht anders sein). Da wird wirklich bei jedem Ball mitgegangen, und nicht selten gibt’s einfach mal Szenenapplaus wenn einer von Barca einen Gegner gekonnt hat stehen lassen. Ronaldinho ist hier sowieso DER Gott schlechthin - der konnte machen was er wollte - wenn der am Ball war, hielten buchstäblicherweise alle den Atem an, um dann in ein verzücktes „Uhhhh“ oder eben frenetisches Klatschen überzugehen. Selbst wenn ihm etwas misslang (was meiner Meinung nach an jenem Abend relativ oft vorkam) und er z.B. den Ball statt zu einem Mitspieler ins Aus passte, gab es noch einen Anstandsapplaus. Oder wenn Bremen mal im Ballbesitz war und versuchte eine Kreativaktion zu kreieren, fingen die Fans nach ein paar Sekunden an, ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert zu starten – und es dauerte meist nicht lange, bis diese „Wand“ die gewünschte Wirkung zeigte und Werder den Ball ganz recht unbedrängt ins Aus oder dem Gegner in die Beine spielte. Ich will gar nicht erst davon anfangen, was abging, als Barca die Tore erzielte – ich war einfach nur froh dass das Staion das ausgehalten hat ;-). Insgesamt war es nicht gerade die beste Leistung, die Bremen so an den Tag legte (besonders wenn man bedenkt, wie Werder seine Gegner zumeist die Bundesliga dominiert). So war dann auch die 2:0 Halbzeitführung von Barca vollauf verdient – allerdings hätte Bremen nach einer erheblichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit zumindest noch den Anschlusstreffer verdient gehabt… Wie dem auch sein, wir haben ein wirklich gutes Fußballspiel gesehen, und der (zumindest an diesem Abend) Bessere ist weitergekommen.

Barcelona

Barcelona war also die erste Station meines Trips. Ich hatte ja schon so einige abenteuerliche Geschichten über Barcelona sowie die Katalanen und ihren besonders ausgeprägten Nationalstolz gehört, der in regelrechten Hass gegenüber z.B. Leuten aus Madrid gipfeln soll. Tatsächlich ist z.B. die spanische Hauptstadt in ganz Katalonien nicht ausgeschildert *g* - und alle Wegweiser und Namen von Geschäften sind in Katalanisch (und nur wenn man Glück hat, auch noch in Spanisch) verfasst. Dies hat jedoch, wie mir später Jorge aus Zaragoza erklärte, weniger mit übertriebenem Nationalstolz der Katalanen selbst, sondern mit Anordnungen der katalanischen Regierung zu tun. Sollten nämlich z.B. Shopbesitzer ihr Geschäft nur in Spanisch (und nicht in Katalanisch) benennen (selbst wenn sie selbst kein Katalanisch sprechen bzw. damit gar nichts am Hut haben), gibt’s ’ne saftige Geldstrafe. Eine in meinen Augen unglaubliche Regelung in Zeiten des vereinten Europas. Wie widersinnig das ist, merkt man, wenn in den Geschäften selbst dann eben kein Katalanisch, sondern "nur normales" Spanisch gesprochen wird.

Wir starteten Freitag Nacht und kamen Samstag früh um 5 in Barcelona (Bahnhof Sants) an. Da das natürlich noch viel zu früh war, um irgendwelche Unternehmungen zu starten (man sah noch vereinzelte Nachtschwärmer von der vergangenen Nacht; und noch nicht mal die Cafés auf dem Bahnhof waren geöffnet), haben wir uns im Wartebereich noch mal für’n Stündchen auf’s Ohr gelegt, bis uns ein Sicherheitsbeamter in freundlichem, aber bestimmten Ton darauf hinwies, hier nicht zu schlafen, da viele „böse Menschen“ unterwegs seinen, die es auf unser Gepäck abgesehen hätten. Nach einem Kaffee zur Stärkung ging’s schnurstracks Richtung „Camp Nou“ Stadion – wir wollten uns schließlich noch Tickets für DAS Spiel des Jahres am darauffolgenden Dienstag zwischen dem FC Barcelona und dem SV Werder Bremen sichern – indem es um alles oder nichts (genau genommen um den Einzug in die nächste Runde der UEFA Champions League) ging. Ich hatte zwar schon vorher alles Mögliche versucht, an Tickets heranzukommen, doch irgendwie waren alle Bemühungen bislang gescheitert. Das Werder-Kontingent war schon aufgebraucht, beim FC Barcelona konnte man als Nicht-Mitglied nur die Karten direkt vor Ort kaufen und ein windiger ebay-Verkäufer stand dann doch nicht mehr zu seinem Wort, mir Karten zu besorgen. 1 Karte hätte ich von einem netten Mädel über die Werder Ticket-Börse bekommen können, allerdings wollte ich halt auch mit Jakob zusammen sitzen. So kamen wir dann früh um 9 am Stadion an – und nachdem wir eine nicht enden wollende Ehrenrunde ums komplette Stadion gedreht hatten , trafen wir endlich auf ein Barca-Mitglied, dass ebenfalls wegen Tickets unterwegs war, und so hefteten wir uns einfach an seine Fersen und fanden schließlich den Ticket-Schalter innerhalb des Stadion-Geländes. Und nach einer weiteren halben Stunde Warten hatten wir dann endlich unsere Tickets in der Hand – mit 61 € pro Ticket (die Preise reichten von 50 € bis 140 €, wobei die billigste Kategorie schon ausverkauft war) nicht gerade billig, aber wir waren glücklich und erleichtert. Anschließend ging’s zum Einchecken ins Hostel - das Centric Point Hostel, welches aufgrund seiner superzentralen Lage, eines tollen großen Gemeinschaftsraumes und mehrsprachigen, freundlichem Personal nur wärmstens empfohlen werden kann. Nachdem wir unsere Sachen in unserem 10-Mann-Apartment, welches wir mit fast nur Mädels (aus Kanada und den USA) teilten, abgestellt hatten, ging’s weiter mit Sightseeing. Dabei nahmen wir selbstverständlich alle touristischen Must-sees wie den Placa de Catalunya, das gotische Viertel mit der Kathedrale, die Flaniermeile La Rambla mit der Kolumbusstatue sowie den Hafen mit. Architektonisch ist Barcelona Madrid um einiges überlegen, und auch so wirkt alles noch etwas internationaler (manchmal hat man mehr englisch und deutsch als Spanisch gehört :-)) und freundlicher als in der spanischen Hauptstadt. Zudem war mir Barcelona sowieso aufgrund des tollen Wetters (wir hatten die 4 Tage jeweils um die 20°C und meist strahlend blauen Himmel und Sonneschein) auf Anhieb sympathisch. Und so ein Strand in der Stadt ist schon was Feines – da kam gleich wieder ein bisschen Wehmut auf, dass es mit meinem Praktikum in Valencia nicht geklappt hat. Abends gingen Jakob und ich getrennte Wege. Während er mit einem Kumpel zum Konzert von The Roots ging (welches nebenbei bemerkt ziemlich geil gewesen sein soll), entschied ich mich für’s Pacha – eine Nobeldiskothek, in die ich dank unseres Hostels für 5 statt normalerweise 20 € Eintritt rein kam (und zusätzlich wurden wir noch gratis per Bus hinchauffiert :-)). Hatte mich kurz vor der Abfahrt an eine Gruppe Franzosen rangehängt, die nur für dieses Wochenende zum Feiern nach Barcelona gekommen waren, und hatte eine lange und lange Partynacht.

Sonntag verpennten Jakob und ich natürlich das Frühstück, und als wir dann schließlich um 2 (nachmittags) soweit waren, etwas zu unternehmen, entschlossen wir uns einen ruhigen Nachmittag im Park Ciutadella – der auch den Zoo Barcelonas beinhaltet - und dem nahe gelegenen Strand bei wieder herrlichstem Wetter zu verbringen. Abends war dann DVD schauen im Hostel angesagt.

Montag schließlich nahmen wir uns ein weiteres Must-see in Barcelona vor – den Park Güell, der von Antoní Gaudi erschaffen wurde. Dieser in Barcelona lebende und wirkende Künstler wird – wen wundert’s – dort sehr verehrt, und viele der in seinem ganz eigenen und typischen Stil gebauten Bauwerke finden sich eben in jenem Park. Da dieser Park sich auf einem Hügel am Rande der Stadt befindet, erhält man zudem einen wunderschönen und beeindruckenden Ausblick über Barcelona. Auf dem Rückweg zum Hostel sahen wir uns noch die berühmte Kirche "Sagrada Familia" - an der schon mehr als 1000 Jahre in immer wieder wechselnden Stilen (weiter)gebaut wird - und weiter Gebäude von Gaudí an. An jenem Tag war auch schon ganz klar die ansteigende Vorfreude auf DAS Spiel des Jahres am kommenden Abend zu spüren; sah man doch überall schon grün-weiß gekleidete Werder-Fans herum spazieren… Am Abend dann trafen wir uns mit Dinah, die ich über den Hospitality Club kennen gelernt hatte. Übernachten war leider nicht möglich, aber immerhin ein Treffen war dann doch drin. Uns verschlug es in ein afrikanisches Restaurant, wo man für 5 € ein wirklich gutes Essen (Reis mit Geflügel-, Rindfleisch oder Fisch) bekam – ein Geheimtipp, den ich von wiederum einem weiteren Hospitality Club Mitglied erhalten hatte. Wir hatten insgesamt 3 nette Stunden miteinander, aßen plauderten und anschließend ging’s noch ein bisschen Barcelona bei Nacht, sprich wir wanderten durch ein paar Gassen – bevor wir uns dann wieder verabschiedeten.

Und Dienstag war dann schließlich der große Tag gekommen. Wir hatten erst noch in Erwägung gezogen, uns das Olympia-Gelände anzuschauen. Da es dort aber laut Auskunft einer Hostel-Mitarbeiterin nicht soviel zu sehen geben soll (was sich mit meiner Erfahrung aus Sydney deckte), verwarfen wir schließlich den Plan und gingen noch mal in den schon bekannten Park La Ciutadella, um einfach noch mal ein paar Sonnenstrahlen aufzusagen und uns seelisch und moralisch auf das vorzubreiten, was denn da abend auf uns zukommen sollte ;-). Auf dem Weg dorthin kauften wir uns Zutaten, um ein typisches Schinken-Käse Bocadillo zuzubereiten, welches wir abend mit ins Stadion nehmen wollten (und auch taten) und was hier zur Halbzeitpause gehört wie die Butter aufs Brot. Gegen 3 machten wir uns dann auf Richtung Placa Reial, wo nach Informationen von Julia, dem Werder-Mädel, von dem ich fast noch die eine Karte gekauft hätte, sich die ganzen Werder-Fans treffen sollten – und dem war auch so. Der gesamte Platz (der eigentlich ein großer Hof ist, also von 4 großen Häusern umgeben ist) war in ein grün-weißes Meer von Werder-Anhängern getaucht, die kräftig feierten (und Bier tranken), aber alles ganz friedlich. Als sich dann gegen 17.30 Uhr immer mehr Fans auf in Richtung Stadion machten, trollten auch wir uns - erst noch mal ins Hostel, und anschließend dann endlich zum „Camp Nou“. Doch dazu mehr im nächsten Post.

Back in town

Bin wieder gesund und munter von meinem 9-tägigen Trip durch den Nordosten Spaniens ins mittlerweile ar***kalte Madrid zurückgekehrt. In eben jener Woche lagen 2 Feiertage hier in Spanien - Mittwoch und Freitag. Den Donnerstag gab's von meiner Firma "geschenkt", weil ich schon an einem anderen Brückentag gearbeitet hatte. Und da hab ich kurzerhand noch Montag und Dienstag Urlaub genommen, um eben ein bisschen mehr Zeit zum Reisen zu haben. Ein weiterer Grund, diese 2 Tage auch noch frei zu nehmen, war, dass an jenem Dienstag DAS entscheidende Spiel der Gruppe A in der Champions League zwischen dem FC Barcelona und Werder Bremen stattfinden sollte, und da wollte ich als eingefleischter Fußball-Fan natürlich dabei sein.
Meine kleine Rundreise führte mich zunächst für 4 Tage nach Barcelona, dann für knapp 2 Tage nach Zaragoza und abschließend ging’s für 3 Tage nach Bilbao (wovon ich dann letztendlich aber 1 Tag in San Sebastian war :-)). Mein bevorzugtes Verkehrsmittel war wieder mal der Bus – auch wenn’s halt ein bisschen länger dauert, so sind die Preise doch unschlagbar, und wenn man über Nacht fährt, kann man so auch noch die ein oder andere Übernachtung sparen *g*. Nach Barcelona war ich noch mit ’nem Kumpel aus Gran Vía – Jakob aus Österreich – unterwegs), nach Zaragoza und Bilbao ging’s dann ohne Begleitung. Allein war ich aber trotzdem nicht, denn hier probierte ich zum ersten Mal „Couchsurfing“ aus, ein geniales Projekt um neue Leute kennen zu lernen und gleichzeitig noch Geld für die Unterkunft zu sparen. Die detaillierten Reiseberichte sind in den anschließenden Posts nachzulesen.
Insgesamt war die letzte Woche wieder mal sehr abwechslungs- und erlebnisreich. Der Urlaub hat mir echt gut getan – jetzt geht’s mit frischem Elan in die letzten 2 Wochen Arbeit, bevor ich dann eine Woche „Heimaturlaub“ in Cottbus antreten werde. Silvester werde ich dann aber wieder hier in Madrid sein – freu mich schon auf’s „Weintrauben-schlucken“ auf Sol. Und danach geht’s höchstwahrscheinlich auf ’ne Party von meinen Arbeitskollegen – da ging’s angeblich in den letzten Jahren immer hoch her. Wir werden sehen…

24 November 2006

Neues von Arbeit

So - hab schon lange nix mehr von meiner Arbeit berichtet. So viel gibt's da auch gar nicht zu erzählen - ich sitz da halt mit den ganzen anderen Leuten vom "technischem Personal" (das trifft's eigentlich am besten weil wir ziemlich viele verschiedene Tätigkeitsfelder abdecken - wir sind alle praktisch Analyst, Designer und Programmierer in einer Person) und suche nach den Stellen im Code, wo ich meine Änderungen vornehmen will, teste das und erstell dann ein Update. Mit den ganzen anderen Leuten versteh ich mich nebenbei gesagt supergut (ich wurde inzwischen auch zur Silvesterparty meiner Arbeitskollegen eingeladen; wird bestimmt fett)- es herrscht eigentlich immer gute Stimmung und es wird viel gelacht, und das trotz (oder vielleicht gerade weil *g*?) wir doch meistens unterschiedliche Sprachen sprechen - sie Spanisch und ich Englisch. Aber beide Seiten verbessern Schritt für Schritt ihre Mankos... :-) (verstehen klappt immer besser, nur leider fehlen mir immer noch'n Haufen Grammatik-Grundlagen und Vokabeln...).
Nun aber zu den kuriosen (oder zumindest berichtenswerten) Dingen, die sich in den letzten Wochen zugetragen haben. Bis gestern waren das eigentlich auch alles Sachen, über die man mehr oder weniger schmunzeln konnte, aber gestern gab's mal zur Abwechslung wieder einen herben Stimmungsdämpfer: Unsere Sekretärin (24) wurde gefeuert. Sie ist damit schon die dritte Person in nicht mal 3 Monaten, die während meiner Zeit hier ging oder gegangen wurde ;-). Zu den Gründen lass ich mich mal an dieser Stelle nicht aus, weil ich's ehrlich gesagt nicht korrekt finde und nicht verstehen kann, wie sowas in einem demokratischen Land mit (so hofft man doch) Meinungsfreiheit abgezogen werden kann. Aber nun gut, sei es wie es sei- jetzt stehen wir also erstmal ohne Sekretärin da, aber die potentiellen Nachfolgerinnen stellen sich schon vor :-). "Lustig" ist auch, dass damit unser Gruppenfoto, dass wir 1 Woche vorher gemacht (und zu dem wir uns alle schön rausgeputzt) hatten und extra im Anzug erschienen waren, schon wieder "hinfällig" ist. (Ach ja, falls mich jemand sucht: Ich steh, von vorn betrachtet, rechts hinten; unsere Ex-Sekretärin ist die junge Dame vorn in der Mitte des Bildes). Nun aber zu den amüsanteren Dingen:

Da wäre zum einen die Sache mit dem Loch in der Decke. Ja, richtig gehört: Eines schönen Tages - ich glaub es war an einem Montag, und draußen hatte es ordentlich geregnet - hatte sich ein kleiner nasser Fleck an einem Mosaikteil (quadratisch, ca. 40 x 40 cm) der Decke in "unserem" Saal gebildet. Nun ja, nachdem er von allen neugierig betrachtet wurde, ging's erstmal wieder an die Arbeit. Das spannende war bloß, dass dieser Fleck zunächst immer größer wurde, und plötzlich auch etwas die Tapete nach unten ausbeulte, sodass es mit der Zeit aussah, als ob da irgendwas schlüpfen wollte ;-). Irgendwann riss dann die Tapete auch an einer Stelle ein, und es begann langsam ein paar kleine Stückchen runterzurieseln und eklig auszusehen. Aber die Krönung kam noch: Nachdem wir vom Mittagessen zurückgekommen waren (und die Stelle kurzzeitig vergessen hatten), gab es auf einmal ein Zischen und mit einem lauten *Rumms* kam das komplette Teil runter und knallte auf den Boden. Ein Mädel, was gleich dort saß, hat fast 'nen Herzinfarkt gekriegt :-). Dann wurde erstmal das darüberliegende Stockwerk durch das Loch betrachtet. Inzwischen (seitdem sind bestimmt schon wieder 3 Wochen vergangen) hat sich noch nicht viel getan, das fehlende Teil an der Decke ist lediglich mit einer Plastikfolie überdeckt (falls nochmal Wasser runter kommt; das Problem liegt ja in der Etage drüber).

Und nun noch was Ekliges *g*. Vor ca. 2 Wochen war ich etwas erkältet (noch die Auswirkungen von der einen Nacht, in der ich in strömendem Regen durch Madrid irrte). Jedenfalls war dadurch auch mein Geruchs- und Geschmackssinn ordetlich beeinträchtigt - ich nahm so gut wie nichts mehr war. Soviel zur Vorrede. Eigentlich geht's nämlich um das Mittagessen, das wir (vom technischen Personal) fast immer in einem unserer Büroräume einnehmen (bevor ich anfing, gingen die Leute eigentlich immer irgendwo mittags in irgendein Restaurant essen (die lange Mittagspause von 1 1/2 Stunden reicht ja dafür auch locker aus)- da das aber wie gesagt 'ne sehr teure Gegend hier ist, konnte und wollte ich mir das nicht leisten - und so fing ich an, erst Sandwiches, später auch Sachen zum Aufwärmen für die Mikrowelle (die bei uns in der Küche steht) mitzubringen. Inzwischen essen fast alle in anderen ebenfalls mit bei uns in der Büro :-)). An besagtem Tag hatte ich mir 'ne Tortilla de patatas - so'ne Art Kartoffelauflauf (nicht zu verwechseln mit diesen harten Tortilla-Chips); ist so mit DAS typische Essen für Spanien - tags zuvor im Supermarkt gekauft und halt als Mittagessen mitgebracht. Da ich etwas angeschlagen und deshalb nicht so hungrig war, schob ich nur eine Hälfte der Tortilla in die Mikrowelle, die andere Hälfte packte ich wieder zurück in den Kühlschrank. Als ich die fertige Tortilla aus der Mikrowelle nahm, hatte ich (trotz betäubter Nase) kurz das Gefühl, dass es etwas merkwürdig riecht, aber letztendlich dachte ich mir nichts weiter dabei und ließ es mir schmecken. In unserem "Esszimmer" schauten mich zwei meiner Kollegen an und fragten, ob ich auch diesen komischen Geruch riechen würde - wahrscheinlich käme er von der Klimaanlage. Ich - mir grad den letzten Bissen reinschiebend - kam wieder ins Stutzen und meinte, dass ich vorhin in der Küche auch schon sowas Komisches gerochen hätte und hoffe, dass es nicht meine Tortilla sei (was ich mir aber nicht vorstellen konnte, da ich sie wie gesagt erst tags zuvor gekauft hatte und sie bis Mitte Dezember haltbar sein sollte). Ich ging also mit einem meiner Kollegen in die Küche, um die andere Hälfte der Tortilla zu checken - aber schon als wir den Raum betraten, schlug uns ein bestialischer Gestank entgegen, und diesmal konnte auch ich es (trotz Schnupfen) deutlich riechen. Ohne Frage, das musste durchs Erhitzen (der offensichtlich schlechten Tortilla) mit der Mikrowelle gekommen sein. Zur Sicherheit ließ ich meinen Arbeitskollegen noch an der anderen Hälfte der Tortilla riechen, und er drehte sich angewidert ab. Jeder kann sich sicher vorstellen, wie ich mich jetzt fühlte. Nicht wirklich schlecht von der Tortilla, aber einfach dieses Gefühl "Oh sch***, ich hab was Verdorbenes gegessen". Die Krönung kommt aber noch. Wir haben dann erstmal alle Fenster aufgerissen, um diesen ekligen Gestank aus den Büroräumen rauszukriegen - und die nächste halbe Stunde wurden dann natürlich Witzchen auf meine Kosten gemacht, so von wegen warum ich das nicht gemerkt habe und dass ich schon mal mein Testament machen solle ;-). Haha :-(. Jedenfalls habe ich im Affekt mir gleich noch die zweite Hälfte der Tortilla geschnappt und ins (Frauen-)Klo geschmissen und runtergespült, da bei den Männern grad besetzt war. Den nächsten Tag kam ich auf Arbeit - ohne irgendwelche Beschwerden. Hatte also nochmal Glück gehabt. Was jedoch weniger gut war war dass das Damenklo verstopft war - das Wasser lief beim Spülen einfach nicht mehr ab. Oh Mann, mir schoss gleich in den Kopf dass das bestimmt meine Tortilla war. Dann stellte mich erstmal unsere Sekretärin zur Rede, warum ich die Tortilla ins Damenklo (und nicht ins Männerklo) gesteckt habe. Ich wusste mit meinen paar Brocken Spanisch natürlich nicht wie ich's erklären sollte (unsere Sekretärin sprach nämlich nur Spanisch, nicht mal einen Hauch von Englisch). Im Hintergrund sah ich nur die anderen feiern, und eigentlich war's ja auch saukomisch. Das Problem war nur, dass das Klo von einem Klempner wieder freigemacht werden musste und dass der Spaß 150 € kostete. Aber die anderen beruhigten mich und sagten ich solle mir keine Sorgen machen (und dass das nicht von mir bezahlt werden müsse), das sei schließlich ein Unfall (ich versteh immer noch nicht, wie eine halbe Tortilla - die ja nun wirklich nicht sooo groß ist, das Klo verstopfen konnte; da müssen doch manchmal noch viel größere Sachen durch ;-)) und außerdem sei ich nicht der Erste, dem das passiert sei (irgendjemand hatte es schon mal fertig gebracht das Männerklo vollzukot*** und danach musste ebenfalls der Klempner ran :-)). Naja, Tortilla werde ich in nächster Zeit wohl nicht mehr mit auf Arbeit bringen ;-).

22 November 2006

Real Madrid vs. Olympique Lyon

Dieses Top-Spiel der UEFA Champions League konnte ich mir als echter Fußball-Fan natürlich nicht entgehen lassen. So oder so ähnlich dachten wohl auch die anderen Leute (die meisten aus der Gran Vía WG, dazu noch zwei Franzosen und Constantin) und so pilgerten wir zu zwölft(!) – darunter 7 Franzosen - an diesem Dienstagabend gemeinsam ins Santiago Bernabeu Stadion. Die Tickets waren gar nicht mal so teuer gewesen – wir hatten die billigste Kategorie mit 20 € pro Karte genommen. Zwar ziemlich weit oben, aber man konnte gut sehen. Für Spannung war auch gesorgt (ohne den ganz großen Druck, da beide Teams schon für das Achtelfinale qualifiziert waren), da Real bei einem Sieg (aber auch nur dann) noch Chancen auf den Gruppensieg gehabt hätte, und das sollte natürlich in Angriff genommen werden. Das Bernabeu allein war an diesem Abend schon ein Erlebnis, war es doch fast ausverkauft und es herrsche eine tolle Athmosphäre (was für ein "normales" Gruppenphasen-Match in Madrid keineswegs selbstverständlich ist). Aber dann sahen wir auch noch ein tolles Spiel mit vielen Toren, was den Abend perfekt machte. Zunächst gab’s die kalte Dusche für Real, als Lyon schon kurz nach Anpfiff durch Carew in Führung ging. Nach einer halben Stunde erhöhte Lyon sogar auf 2:0 gegen eine nie sicher wirkende Madrider Abwehr – insbesondere Cannavaro stand an diesem Abend völlig neben sich. Doch Diarra verkürzte kurz vor der Pasue für die gut kämpfenden Königlichen auf 1:2 und gab so den Real-Fans wieder Anlass zur Hoffnung. Nach einer kurzen Drangphase seitens Real zu Beginn der 2. Halbzeit verflachte dann das Spiel leider etwas, Lyon vergab die Chance zur Vorentscheidung. Schließlich setzte Real in der letzten Viertelstunde nochmal alles auf eine Karte, und kam doch tatsächlich durch Ruud van Nistelrooy 7 Minuten vor Schluß zum nicht unverdienten Ausgleich. Das Stadion brodelte jetzt natürlich, und die Leute peitschten Real nochmal nach vorn. Und auch Alfred Hitchcock hätte es nicht besser inszenieren können: In der 90. Minute holte doch tatsächlich eben jener van Nistelrooy einen ohne Frage berechtigten Elfmeter heraus. Hätte Madrid das Ding auch noch reingemacht, hätten die Fans wohl vor Freude das Station abgerissen ;-). Haben sie aber nicht – van Nistelrooy scheiterte mehr oder weniger kläglich am Lyoner Keeper. Und so verspielte Real die Chance auf den Gruppensieg, wohingegen Lyon ebendiesen perfekt machte. Wie auch immer, für den neutralen Beobachter war’s einfach ein tolles Spiel.

21 November 2006

Tagesausflug nach Toledo

An diesem Wochenende ging's mit Constantin und Kathleen nach Toledo, das viele Madrilenen gern als Ausflugsziel wählen, um dem Stress der Metropole zumindest am Wochenende zu entfliehen. Man ist auch ganz fix da - in nur 1 Stunde fahren halbstündlich Busse von den einschlägigen Busbahnhöfen von der aktuellen zur ehemaligen (jaja, wer hätte das gedacht *g*) Hauptstadt Spaniens. Freitagnacht davor waren wir ja in weiser Voraussicht nicht so lange weggewesen, sodass wir Samstag schön früh (halb 10) losmachen konnten. Das Wetter war zwar an diesem Tag nicht gerade berauschend – der Himmel zeigte sich stark bewölkt, aber wenigstens regnete es nicht (die zwei kurzen Schauer zählen nicht ;-)).

Toledo selbst lebt natürlich hauptsächlich von seiner Geschichte, leben möchte ich dort nicht. Es sieht halt schon alles etwas altertümlich (und auch ein wenig verlassen) aus, aber vielleicht lag das ja auch an dem schon angesprochenen Wetter. So wanderten wir Drei durch mehr oder wenige enge Gassen entlang alter Steinmauern einen kleinen Berg hinauf – dort nämlich befindet sich das historische Toledo. Berühmt ist die Stadt für 2 Dinge zum einen altertümliche Waffenschmieden, und zum anderen Marzipan (Toledo ist sozusagen das Aachens Spaniens). Und so waren die meisten Gebäude – so sie denn keine Kirchen waren (in denen übrigens jedes Mal noch extra Eintritt gezahlt werden muss - naja wer’s mag und dicke hat) - entweder Waffen- und Rüstungsgeschäfte (angeblich wurden die in den Filmen der „Herr der Ringe“-Trilogie verwendeten Schwerter in Toledo geschmiedet) oder aber Shops, in denen Marzipan in allen erdenklichen Varianten angeboten wurde. So war dann Constantin und Kathleen auch schnell klar, was sie als Geschenk für eine an diesem Abend stattfindende Geburtstags-Party mitnehmen würden – genau, ein Säckel frische Marzipan-Pralinen.

Tja, viel mehr ist aus meiner Sicht auch nicht zu Toledo zu sagen – ich war ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht, wobei ich auch nicht sagen kann, was ich eigentlich erwartet habe – aber eine schöne Großstadt oder ein feiner Strand, ja selbst etwas Natur reizen mich irgendwie mehr als so eine historische Kleinstadt.